Morphium, heute Morphin, wurde 1804 von dem Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner erfunden, der den Stoff aus dem Opium, dem Milchsaft des Schlafmohns absondern konnte. Da dieses ein wirksames Schmerzmittel war, das die Verletzten ruhig stellte, nannte er seine Entdeckung Morphium, abgeleitet von Morpheus dem griechischen Gott der Träume. Dieses wurde vermutlich erstmals von Dr. Edme Samuel Castaing als Mordwaffe eingesetzt. Dieser war ein französischer Arzt, der während der Französischen Revolution 1789 in Alençon als jüngster von drei Söhnen eines Generalinspekteur in der Wald- und Forstabteilung geboren wurde. Edme wuchs in gut bürgerlichen Verhältnissen auf, der während seiner Schulzeit in Angers aufgrund seiner hervorragenden Leistungen mehrere Preise gewann. Danach fing er in Paris an Medizin zu studieren, wo er sich ganz auf das Experimentieren mit Pflanzengiften konzentrierte, die er an zahlreichen Tierversuchen testete. Edme war ein gut aussehender junger Mann mit blonden Haaren und hoher Stirn, der als herzensguter Mensch galt und selbst Kranke kostenlos behandelte. Als sein guter Freund 1818 in Not geriet, bürgte er für dessen Darlehen in Höhe von 600 Francs. Als die Summe zur Rückzahlung 1820 fällig wurde, konnte sein Freund diese jedoch nicht aufbringen, weshalb Edme zur Kasse gebeten wurde. Dieser war seit geraumer Zeit mit der einer Pariser Witwe liiert, die bereits drei Kinder hatte und mit der er zwei weitere zeugte, für die er nun sorgen musste. Durch die Bürgschaft geriet Edme in große finanzielle Schwierigkeiten, der 1821 seinen Abschluss als Arzt an der Pariser Fakultät machte. Edme wohnte in der Rue de l´Enfer Nr. 31 in Paris. In dieser Straße lebte auch die wohlhabende Familie Ballet. Edme freundete sich mit den beiden Söhnen der Familie, Hippolyte und Auguste an. Nachdem nacheinander deren Eltern sowie deren Onkel verstorben waren, fiel das Vermögen an die beiden Anwaltsbrüder und deren verheirateter Schwester Madame Martignon. Da Hippolyte an Lungenschwindsucht litt, ließ er sich von Edme behandeln, der am 5. Oktober 1822 in dessen Armen verstarb. Die Autopsie die Edme mit einem anderen Arzt durchführte ergab, dass dieser an tuberkulöser Rippenfellentzündung gestorben war. Nur 17 Tage zuvor hatte Edme 10 Körner Morphinacetat gekauft. Kurz vor seinem Tod hatte Hippolyte mehreren Personen mitgeteilt, dass er seinen verschwenderischen Bruder enterben wollte. Nach dessen Tod wurde sein Vermögen nun zwischen Auguste und dessen Schwester aufgeteilt, da kein Testament gefunden worden war. Zwei Tage nachdem Tod von Hippolyte hatte Auguste Aktien im Wert von 100.000 Francs verkaufte. Das Geld gab er Edme. Dieses Geld sollte der Bestechung für den Anwalt Lebret dienen, der das Testament seines Bruders, das seine Schwester begünstigte, zerstören sollte. Doch stattdessen brachte Edme 66.000 Francs am 10. Oktober zu seinem Banker, der das Geld investieren sollte. Seiner Mutter schickte er am 11. Oktober 30.000 Francs und seiner Geliebten gab er am 14. Oktober 4.000 Francs. Ein Jahr verging, bis Auguste am 1. Dezember 1822 ein Testament aufsetzte, in dem er Edme zum Alleinerben bestimmte. Seine Schwester sollte leer ausgehen. Dieses Testament wurde am 29. Mai 1823 bei Edmes Cousin, der Notar war, hinterlegt. Noch am selben Tag unternahm Edme zusammen mit Auguste einen Ausflug nach Saint-Cloud, wo sie in der Auberge de la Tête Noire eine Stube mit zwei Betten zum Nächtigen mieteten. Am Abend kredenzte Edme seinem Freund warmen Wein, den er mit Zucker und Zitrone verfeinerte. Noch in der Nacht bekam Auguste schwere Koliken, der nicht mehr aus dem Bett aufstehen konnte. Edme nutzte, die Gunst der Stunde. Er gab vor einen Morgenspaziergang im Park zu machen, fuhr aber nach Paris, um bei einem Apotheker 12 Körner Morphinacetat zu kaufen. Danach fuhr er wieder zu Auguste, dem er kalte Milch zu trinken gab. Daraufhin erbrach sich dieser heftig. Edme ließ zwei Ärzte kommen, die seine Cholera-Diagnose bestätigten. Noch am Abend nahm Edme das Rezept einer der beiden Ärzte, um August einen Löffel mit bitteren Sirup zu verabreichen. Kurz danach verstarb Auguste am 1. Juni gegen Mittag. Die beiden Ärzte informierten die Gendarmerie über Augustes plötzlichen Tod, woraufhin Augustes Leiche obduziert wurde. Die Obduktion ergab, dass Auguste Tod auch eine natürliche Ursache haben könnte. Jedoch könnte es sich auch um eine Vergiftung mit Morphinacetat handeln. Edme wurde bereits am 2. Juni verhaftet und ins Gefängnis nach Paris gebracht, wo er drei Tage lang den Geisteskranken spielte. Als er sein Schauspiel aufgab, wurde er ins Gefängnis nach Versailles verlegt. Am 10. November 1823 begann sein Prozess vor dem Pariser Schwurgericht wegen den Morden an den Brüdern Hippolyte und Auguste Ballet sowie der Zerstörung des Testaments von Hippolyte vor den Augen von unzählige Schaulustigen. Edme hatte gleich zwei Anwälte beschäftigt. Einer war sein ehemaliger Schulfreund, Roussel, der andere war der legendäre Strafverteidiger Pierre-Antoine Berryer, der gleich zu Beginn des Prozesses aussagte, dass es unmöglich sei, den bitteren Geschmack von Morhium zu übertünchen. Er selbst hatte 2 Milligramm in einen Esslöffel Mich gegeben und sofort wieder ausgespuckt, da der Geschmack so bitter war. Edme, der vehement seine Unschuld beteuerte, gab als Motiv für seinen Giftkauf an, dass dieses für die Hunde und Katzen in der Straße bestimmt war, deren Geräusche einfach unerträglich seien. Er habe sie aber nicht benutzt, sondern in der Latrine entsorgt. Nach zweistündiger Beratung der 12-köpfigen Jury wurde Edme nach 8 Tagen zum Tode verurteilt. Nach gescheiterten Kassationsgesuch und einem Selbstmordversuch wurde der 27 Jahre alte Dr. Edme Samuel Castaing am 6. Dezember 1823 in Paris am Place la Gréve durch die Guillotine hingerichtet. Da Dr. Edme Samuel Castaing, das erst seit 18 Jahren entdeckte Morphium als Mordwaffe eingesetzt hatte, verewigte er sich damit für immer in die Kriminalgeschichte.
