Einer der spannendsten ungelösten Morde in der Geschichte Schottlands, bekannt geworden als der „Cheese Wire Murder“ oder auf Deutsch der „Käsedraht-Mord“ ereignete sich am 29. September 1983 in der schottischen Hafenstadt Aberdeen. An jenem Tag wurde der 58 Jahre alte Taxifahrer George Murdoch brutal mit einem Käsedraht ermordet. George Murdoch war ein beliebter Mann, der 1925 in Aberdeen geboren wurde, wo er bis zu seiner grausamen Ermordung lebte. George, der liebevoll „Dod“ genannt wurde, wurde von allen als freundlich und bodenständig beschrieben. Seine Familie und Freunde bezeichneten ihn als „einen ganz gewöhnlichen Arbeiter“, der sich leidenschaftlich für das Taubenzüchten und Bootfahren begeisterte. Nach 37 glücklichen Ehejahren mit seiner Frau Jessie musste er in den späten 1970er Jahren seine Arbeit in einer Fabrik aufgeben und begann, um über die Runden zu kommen, als Taxifahrer zu arbeiten, obwohl ihm der Job nicht besonders gefiel und seine Frau ständig um seine Sicherheit besorgt war. Am Donnerstag, den 29. September 1983, hatte Murdoch Nachtschicht. Gegen 20:30 Uhr hielt er in seinem hellblauen Ford Cortina Taxi auf der belebten Queen’s Road in Aberdeen an, um einen jungen Mann, der in den Zwanzigern war, mitzunehmen. Er funkte ins Taxizentrum, dass seine Fahrt Richtung Culter im Westen der Stadt führen würde. Nach etwa zwei Meilen bog Murdoch auf die Pitfodels Station Road ab, am Stadtrand von Braeside, wo sein Wagen plötzlich anhielt. Was dann geschah, schockierte nicht nur Aberdeen, sondern das gesamte Land. Murdoch wurde von seinem Fahrgast brutal attackiert. Dieser hatte einen Käse-Draht als Waffe benutzt. Im Verlauf des Kampfes stürzten die beiden aus dem Fahrzeug auf die Straße, wobei Murdoch verzweifelt um Hilfe rief. Zwei Jungen auf ihren Fahrrädern, die zufällig vorbeikamen und Zeugen des Angriffs wurden, eilten sofort los, um die Polizei zu alarmieren. Leider traf die Polizei nicht rechtzeitig ein, um Murdoch zu retten. Der Täter hatte Murdochs Fahrgeld und seine Brieftasche gestohlen. Doch ob Raub das eigentliche Motiv war, bleibt bis heute unklar. Die Polizei startete eine massive Suchaktion und besuchte 10.000 Haushalte, nahm 8.000 Zeugenaussagen auf und veröffentlichte einen detaillierten Steckbrief des Täters. Dieser wurde als ein etwa 20 bis 30 Jahre alter Mann beschrieben, 1,70 Meter groß, schlank, mit dunklem, kurzem Haar und dunkler Kleidung, die vermutlich Blutspuren aufwies. Es stellte sich heraus, dass der Mörder höchstwahrscheinlich mit der Absicht ausgegangen war, jemandem Schaden zuzufügen, da er den Käse-Draht bereits dabei hatte. Ein Hinweis tauchte auf, als ein Mann mit blutverschmierten Händen kurz nach der Tat in einem nahegelegenen Imbiss namens „Mr Chips“ auf der Great Western Road gesehen wurde. Der Mitarbeiter dieses Imbisses hatte den Mann bedient und erinnerte sich an ihn. Trotz der Übereinstimmung mit der Täterbeschreibung, konnte diese Person jedoch nie identifiziert werden. Zu jener Zeit erlebte Aberdeen durch den Ölboom einen raschen Wandel, der viele fremde Leute in die Stadt brachte. Die Polizei zog auch diese Faktoren in Betracht, während sie versuchte, die Spur des Mörders aufzunehmen. Im Laufe der Jahre erbrachten diverse Cold-Case-Ermittlungen keine nennenswerten Ergebnisse. Dennoch, selbst 38 Jahre nach dem Mord, hoffte Murdochs Familie immer noch auf Gerechtigkeit. 2022 tat sich die Familie Murdoch, obwohl George Ehefrau Jessie bereits 2004 verstorben war, mit einer lokalen Zeitung zusammen, um eine Belohnung von 20.000 Pfund für Informationen zur Ergreifung des Mörders auszusetzen. Der Fall wurde am 14. März 2022 in der Sendung Crimewatch Live vorgestellt, was zu neuen Hinweisen führte. Dutzende Menschen meldeten sich mit neuen Informationen, und die Ermittler erklärten, der Fall habe offenbar einen Nerv getroffen. Im September desselben Jahres richtete sich die Polizei mit einem neuen Aufruf an die Öffentlichkeit. Sie suchten einen Mann, der 2015 in der Wilson’s Sports Bar in Aberdeen gesehen wurde. Der Mann trug ein Iron Maiden T-Shirt und wurde als klein, untersetzt und in den 60ern oder 70ern beschrieben. Man nimmt an, dass er wertvolle Informationen zum Mordfall liefern könnte. Ein bedeutender Durchbruch gelang der Polizei im September 2023, als sie bekanntgaben, dass sie das DNA-Profil des mutmaßlichen Täters isoliert hatten. Ein Wendepunkt in den Ermittlungen. Sie appellierten nicht nur an Personen, die den möglichen Verdächtigen kennen, sondern auch an diejenigen, die glauben, möglicherweise verwandt mit dem Täter zu sein. Eine einfache DNA-Probe könne klären, ob irgendeine Verbindung besteht. Der heutige Ermittlungsleiter, James Callander, betonte die Wichtigkeit der fortlaufenden Unterstützung durch die Öffentlichkeit, um den Fall abschließen und der Familie endlich die ersehnte Gewissheit geben zu können. Mit einer erhöhten Belohnung von 50.000 Pfund für Informationen steht die Hoffnung, dass nach vierzig Jahren endlich Gerechtigkeit für George Murdoch erreicht werden kann. Der Mord an George Murdoch bleibt ein bedrückendes Kapitel in der Geschichte von Aberdeen, doch die fortlaufenden Bemühungen, den Fall zu lösen, spiegeln den ungebrochenen Willen wider, dem Opfer und seiner Familie die Gerechtigkeit zukommen zu lassen, die sie verdienen. In der Hoffnung, eines Tages endlich Antworten zu finden, geht die Suche nach dem „Cheese Wire Killer“ weiter.
