In den frühen 1980er Jahren geisterte der Name Clifford Robert Olson Jr. wie ein böser Schatten durch Kanada. Dieser kanadische Serienmörder bekannte sich zu elf grausamen Morden, die das Land erschütterten. Seine Opfer waren unschuldige Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 18 Jahren, die ohne Vorwarnung aus ihrem Leben gerissen wurden und ein schreckliches Ende fanden. Olson ging dabei immer nach demselben Modus Operandi vor, in dem er die Kinder und Jugendliche meist unter dem Vorwand sich Geld dazu zuverdienen in sein Auto lockte, dann betäubte, um sie in der bewaldeten und abgeschiedenen Gegend des Fraser River zuerst zu vergewaltigten und dann zu töten. Um den ganzen noch eine Krone aufzusetzen, steckte er Nägel und Schraubenzieher vor ihrem Tod in ihre Gehirne. Doch wer war dieser brutale Serienmörder, der in den Medien nur „The Beast of British Columbia“ genannt wurde? Clifford Richard Olson Jr. war das älteste von vier Kindern von Clifford Sr. und Leona Olson, der am Neujahrstag 1940 in Vancouver zur Welt kam. Bis zu Cliffords 5. Lebensjahr wohnte die Familie in Edmonton, bevor sie nach Richmond an die Westküste zogen. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, während Cliffords Mutter sich in einer Fischkonservenfabrik abmühte, lieferte sein Vater Clifford Sr. mit seinem Pferdewagen Milch aus. Das Geld war stets knapp, weshalb Clifford schon früh recht viel kriminelle Energie entwickelte, um an Geld zu gelangen. So verkaufte er nicht nur abgelaufene Lottoscheine in der Nachbarschaft, sondern er klaute auch das bereit gestellte Geld für die Milchlieferung. Clifford hatte ein großes Mundwerk, war jedoch ein Bettnässer, weshalb er von seinen Mitschülern gemobbt wurde. Seine Wut ließ er an Hunden und Katzen aus, die er quälte und dann tötete. Bereits nach der 8. Klasse im Jahr 1956 verließ er die Schule. Er begann eine Ausbildung als Fernfahrer, doch schon ein Jahr später musste er im Alter von 17 Jahren seine erste Haftstrafe wegen Einbruchs und Diebstahls für 8 Monate verbüßen. Dies war nur eine von insgesamt 94 Haftstrafen, die folgten. Bis zu Cliffords letzter Verhaftung 1981 blieb er nie länger als ein paar Monate auf freien Fuß. Er verbrachte einen Großteil seines Lebens in Gefängnissen, aus denen er 7 Fluchtversuche unternahm, was ihn den Ruf eines Ausbrecherkönigs einbrachte. Clifford führte ein unstetes Leben, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, Diebstähle begann und exzessiv trank. Anno 1974 geriet Clifford in Verdacht einen 17 Jahre alten Mithäftling im Gefängnis von British Columbia mehrfach vergewaltigt zu haben. Vier Jahre später verging er sich in der kanadischen Provinz Nova Scotia an einem 7 Jahre alten Mädchen. Cliffords Leben schien sich jedoch zu ändern, als er in einer Bar Joan Hale kennen lernte. Joan Hale, eine Kellnerin in einem Pub, zog mit Clifford Anfang April 1980 in eine Reihenhaussiedlung in Coquitlam. Im April 1981 erblickte ihr gemeinsamer Sohn Clifford III. das Licht der Welt, nur einen Monat später am 15. Mai 1981 heirateten die beiden. Joan wusste nicht, dass sie ein Monster geheiratet hatte, das sich hinter der Fassade eines liebenden Ehemanns und Vaters versteckte. Denn am 17. November 1980 begann Olsons bestialische Mordserie an elf Kindern und Teenagern. Sein erstes Opfer wurde an jenem Tag die 12 Jahre alte Christine Weller. Diese lebte mit ihren arbeitslosen Eltern in einem schäbigen Motel in Surrey, das sie an jenem Tag verließ, um ein Einkaufscenter zu besuchen. Danach borgte sie sich von ihrer Freundin ein Fahrrad, um nach Hause zu fahren. Doch Christine kam nie dort an. Erst nach einer Woche gaben Christines Eltern bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf, die zunächst davon ausgingen, das Christine eine Ausreißerin war, weshalb sie dem Fall wenig Beachtung schenkten. In Wahrheit war Christine von Clifford, der sich als Bauunternehmer ausgegeben hatte und ihr 10 Dollar die Stunde für Fensterputzen oder Aufräumarbeiten zahlen wollte, in sein Auto gelockt worden. Dort besiegelten sie ihren Deal mit einem Drink, der mit einer Pille Chloralhydrat versetzt war. Dadurch machte er Christine benommen und hilflos. Er fuhr mit ihr in den Wald bei Vancouver, wo er Christine sexuell missbrauchte und dann mit einem Messer malträtierte und schließlich mit einem Gürtel zu Tode strangulierte. Christines verwesende Leiche wurde erst am Weihnachtstag 1980 von einem Mann gefunden, der mit seinem Hund an den Deichen des Fraser River in Richmond Gassi ging. Der Horror setzte sich fort mit Colleen Marian Daignault, die am 16. April 1981 im Alter von 13 Jahren verschwand. Erst fünf Monate später wurde ihre Leiche entdeckt. In schneller Folge fielen ihm am 22. April 1981 der 16 Jahre alte Daryn Todd Johnsrude, am 19. Mai die 16 Jahre alte Sandra Lynn Wolfsteiner und am 21. Juni die 13 Jahre alte Ada Anita Court zum Opfer, wobei die Leichen der Jugendlichen oft erst Monate nach ihrem Verschwinden gefunden wurden. Der Juli 1981 war besonders verhängnisvoll. Innerhalb eines Monats wurden sechs Kinder und Jugendliche von Clifford ermordet, beginnend am 2. Juli mit dem 9 Jahre alten Simon Partington, der entführt, vergewaltigt und erdrosselt wurde. Während die Nation um den Verlust trauerte, nahm Clifford am 9. Juli sein nächstes Opfer ins Visier, die 14 Jahre alte Judy Kozma. Ihre Leiche wurde am 25. Juli nahe Weaver Lake entdeckt. Am 23. Juli ergänzten der 15 Jahre alte Raymond King Jr., am 25. Juli die 18 Jahre alte deutsche Touristin Sigrun Arnd, am 27. Juli die 15 Jahre alte Terri Lyn Carson und schließlich am 30. Juli die 17 Jahre alte Louise Chartrand die Liste seines grauenvollen Wirkens in jenem düsteren Monat. Auffällig war, dass Cliffords Grausamkeiten keine Präferenz für Geschlecht oder Alter seiner Opfer aufwies, was ihn als Serienmörder ungewöhnlich machte. Seine kriminelle Karriere führte schließlich am 12. August 1981 zu seiner Verhaftung in Vancouver Island. Auf der Grundlage des Verdachts, er habe versucht, zwei Mädchen zu entführen, stellte die Polizei ihn endlich zur Rede. Doch die Tragödie sollte noch weitergehen. In einer schockierenden Wendung erreichte Clifford einen umstrittenen Deal mit den Behörden. Er gestand die Morde an elf Opfern und zeigte den Ermittlern der Royal Canadian Mounted Police, kurz RCMP, wo die noch nicht geborgenen Leichen lagen. Als Gegenleistung verlangte er 10.000 Dollar pro Opfer, die seiner Frau ausgezahlt werden sollten. Letztendlich erhielt diese 100.000 Dollar, da Clifford für das letzte Opfer auf eine Bezahlung verzichtete, während er Verhandlungen in der Haft führte. Im Januar 1982 bekannte sich der 42 Jahre alte Clifford Robert Olson schuldig in allen elf Anklagepunkten. Das Gericht verurteilte ihn zu elf lebenslangen Haftstrafen, die gleichzeitig abgesessen werden sollten in Kanadas Hochsicherheitsgefängnis in Sainte-Anne-des-Plaines in Quebec, welches einige der gefährlichsten Kriminellen des Landes beherbergt. Aufgrund seiner Einstufung als gefährlicher Straftäter galt es als unwahrscheinlich, dass Clifford jemals freigelassen würde. Doch selbst hinter Gittern ließ Clifford die Öffentlichkeit nicht zur Ruhe kommen. Im Jahr 1997 beantragte er erstmals eine Anhörung im Rahmen der kanadischen „faint hope clause“, die Häftlingen eine vorzeitige Entlassungsanhörung ermöglicht. Trotz der Ablehnung dieses Antrags konnte Clifford weiterhin alle zwei Jahre einen neuen Antrag stellen, was er auch tat, jedoch ohne Erfolg. Bereits 2010 entwickelte sich Kontroverses um Clifford Robert Olson, als bekannt wurde, dass er im Gefängnis zwei staatliche Rentenleistungen erhielt. Diese Zahlungen summierten sich monatlich auf 1.169,47 Dollar und sorgten landesweit für Empörung. Die kanadische Regierung reagierte schnell und kündigte Maßnahmen an, um die Auszahlungen zu beenden. Clifford wurde zwar jeglicher Kontakt zu den Medien per Regierungsanordnung untersagt, aber er schrieb eifrig Kommentare unter Videos über seine Verbrechen und signierte ebenso Exemplare aus einer Sammlerserie für Serienmörder. Clifford führte nicht nur mit über 100 Groupies einen Briefwechsel, sondern er schickte auch obszöne Zeichnungen und Briefe an die Angehörigen seiner Opfer, was seinen sadistischen Neigungen entsprach. Doch schließlich holte die Krankheit den skrupellosen Mörder ein. Im September 2011 wurde berichtet, dass Clifford unheilbar an Krebs erkrankt und in ein Krankenhaus in Laval in Quebec überstellt worden war. Am 30. September des gleichen Jahres starb Clifford Olson und hinterließ eine Spur aus Schmerz und Verlust. Die Geschichte von Clifford Robert Olson Jr. bleibt ein dunkles Kapitel in Kanadas Geschichte. Sie erinnert uns an die Abgründe menschlicher Skrupellosigkeit und daran, dass das Böse manchmal näher ist, als man ahnt. Durch seine Taten und die nachfolgenden gesellschaftlichen Debatten hat Clifford Richard Olson unauslöschliche Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen und wird noch lange als mahnendes Beispiel gelten.
