Als einer der schlimmsten Kannibalen aller Zeiten, der über 20 Jahre lang sage und schreibe 30 Menschen abschlachtete, um deren Fleisch zu pökeln und dann genüsslich zu verspeisen, gilt Karl Denke besser bekannt als der „Kannibale von Münsterberg“. Karl Denke lebte bis zu seiner Entdeckung als Menschenfresser in einer kleinen Wohnung in Münsterberg. Der bärtige alte Mann war als wortkarger, aber hilfsbereiter Eigenbrötler bekannt, der Landstreichern oder reisenden Handwerkern oftmals nicht nur ein Nachtquartier, sondern auch Nahrung offerierte, weshalb er von seinen Nachbarn den liebevollen Kosenamen „Papa Denke“ erhielt. Keiner ahnte, dass sich hinter dem freundlichen, harmlos wirkenden alten Mann ein wahres Monster verbarg. Erst durch einen Zufall kam Denkes wahres Ich ans Licht. Es war der 21. Dezember 1924 als der Landstreicher Vinzenz Olivier seine Almosentour in der Teichstraße im schlesischen Münsterberg begann. Nach kurzer Zeit stand er vor dem Haus Nr. 10, wo ihm Karl Denke die Tür öffnete. Er bot ihm nicht nur Obdach und Nahrung an, sondern auch 20 Pfennig, wenn er für ihn ein paar Zeilen schreiben würde. Vinzenz nahm das Angebot dankend an. Er ging in die Wohnung von Denke und setzte sich an den Esstisch, wo ihm Denke einen Briefbogen und einen Bleistift gab. Dann diktierte Denke ihm folgendes: „Adolph, du fetter Wanst!“. Als Vinzenz dies hörte, drehte er sich verblüfft zu Denke um, der schon seine Spitzhacke ausgeholt hatte. Doch er traf Vinzenz damit nur an der Schläfe und nicht wie erhofft in der Mitte des Kopfes, um dessen Schädel zu zerschmettern. Vinzenz griff geistesgegenwärtig zur Spitzhacke. Es kam zu einer heftigen Rangelei zwischen den beiden Männern, die Vinzenz für sich entscheiden konnte. Mit der Spitzhacke in der Hand und seiner blutenden Platzwunde am Kopf konnte er sich in den Hof retten. Dort schrie er um Hilfe. Die Nachbarn kamen herbei geeilt und riefen die Polizei. Doch diese nahm Vinzenz die Geschichte nicht ab. Denn Karl Denkes Leumund war tadellos. Stattdessen wurde Vinzenz vors Amtsgericht gebracht, das ihm am nächsten Tag wegen Bettelei und Landstreicherei 2 Wochen Arrest aufbrummte. Doch der zuständige Richter grübelte über Vinzenz Aussage nach, da diese absolut einleuchtend klang. Außerdem hatte er sich die Platzwunde am Kopf unmöglich selbst bei bringen können, weshalb Karl Denke am 22. Dezember 1924 doch noch unter Protesten seiner Nachbarn wegen der Anzeige des Landstreichers festgenommen wurde. Karl Denke sollte am nächsten Tag verhört werden, aber dazu kam es nicht mehr, da er sich mit einem langen Stofftaschentuch und einer Schnur in seiner Zelle selbst erhängt hatte. Um die Kosten für die Beerdigung zu decken, wurde dessen Wohnung und Scheune nach Wertgegenständen durchsucht. Doch statt Wertgegenstände zu finden, wurde gepökeltes Menschenfleisch und Blutspuren entdeckt. Dies führte zu weiteren Untersuchungen, die die unglaubliche Wahrheit ans Licht brachten. Denn der liebevolle Papa Denke entpuppte sich als Menschfresser, der in seinem Gartenschuppen 420 Zähne und 480 Knochen sortiert hatte. In einem Notizbuch hatte Karl Denke jede Tötung bis ins kleinste Detail mit Datum, Namen des Opfers und Gewicht notiert. Seinen ersten Mord hatte er 1903 begangen. Karl Denke ging immer nach dem selben Modus Operandi vor. Er bot Reisenden, Landstreichern oder fahrenden Handwerkern eine Unterkunft und Essen an, die sich 20 Pfennig verdienen konnten, wenn sie für ihn eine Nachricht verfassen würden. Damit lockte er seine Opfer in seine Wohnung, wo er sie erschlug oder erwürgte. Danach ging das blutige Gemetzel erst los, in dem er die Opfer mit einer Baumsäge zerstückelte, das Fleisch von den Knochen schälte und es in große Fässer in Salzlake einlegte. Diese befanden sich direkt neben seinem Bett, immer wenn er Hunger verspürte, bediente er sich an dem gepökelten Fleisch. Die Haut verarbeitete er weiter, in dem er daraus Hosenträger und Schnüre für seine Weidenkörbe machte, die er dann auf dem Markt in Breslau verkaufte. Keiner seiner Nachbarn hatte je gegen Karl Denke irgendeinen Verdacht gehegt. Viele glaubten, dass er wegen der spärlichen Essensrationen nach dem Krieg, Hunde tötete und deren Fleisch esse, weshalb auch blutige Hundefelle vor seiner Tür hingen, die er als Tarnung für seine Menschenschlachterei dort aufgehängt hatte. Doch wer war Karl Denke, der als Kannibale so lange Zeit unentdeckt bleiben konnte? Karl Denke wurde am 11. Februar 1860 als dritter Sohn einer Bauernfamilie in Oberkunzendorf geboren. Seine Lehrer hielten ihn für geistig behindert, da er kaum sprach und äußerst schwer von Begriff war. Seine einzige Bezugsperson war sein älterer Bruder. Bis ins hohe Jugendalter war Karl Denke Bettnässer, der nach der Schule im väterlichen Betrieb arbeitete. Im Alter von 22 Jahren büxte er von Zuhause für 9 Monate aus. Danach kehrte er zurück, ohne zu sagen, wo er in dieser Zeit gewesen war. Nachdem Tod seiner Eltern, wollten sich seine Geschwister, um ihn kümmern. Doch Karl zog nach kurzer Zeit in eine kleine Wohnung nach Münsterberg. Er lebte vom Korbflechten und der Herstellung von Brotschüsseln, die er auf dem Markt verkaufte. Er galt zwar als maulfaul und zurückhaltend, war aber fleißig und äußerst hilfsbereit. Nachdem Umzug nach Münsterberg kaufte er sich ein Grundstück. Doch als seine Geschwister erfuhren, dass er dreimal so viel bezahlt hatte, wie das Grundstück wert war, wollten sie Karl entmündigen lassen. Doch sie zogen ihren Antrag letztlich aus Angst vor Karls Rache zurück. Danach isolierte sich Karl Denke noch mehr von seinen Mitmenschen, der zwar bei Beerdigungen gern als Kranzträger half, aber ansonsten heimlich Jagd auf junge Männer machte, um diese zu verspeisen. Insgesamt schlachtete er in 20 Jahren 30 Menschen ab, meistens Männer über 40 Jahre, die nicht aus dem nähren Umfeld stammten. Karl Denke war 64 Jahre alt als er sich das Leben nahm, der nach der grausigen Entdeckung nur noch der „Kannibale von Münsterberg“ oder der „Schlesische Haarmann“ genannt wurde. Denn 4 Tage bevor Karl Denke als Kannibale aufflog, war der Serienmörder Fritz Haarmann zum Tode verurteilt worden, der in Hannover 27 Männer bestialisch ermordet und zerstückelt hatte. Unglücklicherweise kam es zu einem Justizirrtum, da der unschuldige Fleischer Edward Trautmann für ein Tötungsdelikt, das Karl Denke verübt hatte, zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Erst nach dem Selbstmord von Karl Denke wurde dieser Justizirrtum aufgedeckt. Karl Denke hat sich als einer der schlimmsten Kannibalen aller Zeiten in der Kriminalgeschichte verewigt, der unter dem ewigen Zwang zum Menschenfressen litt.
