Ein wahres Verbrechen, das einem Drehbuch eines Horrorschockers gleicht, ereignete sich im Herbst 1978 in einer abgelegenen Gegend der Stadt Modesto in Kalifornien. Es war der 29. September als die 15 Jahre alte Mary Vincent beschloss per Anhalterin zum Haus ihres Großvaters in Berkeley zu trampen. Mary war eins von 7 Kindern, die mit ihren Eltern in Las Vegas lebte. Doch Marys Eltern steckten in einem schlimmen Scheidungskrieg, weshalb Mary beschloss von Zuhause abzuhauen. Als Mary in Berkeley angekommen war, plagte sie jedoch entsetzliches Heimweh, warum sich Mary als Anhalterin wieder zurück auf den Weg nach Los Angeles machte. Mary hatte Glück. Sie wurde von dem 51 Jahre alten Lawrence Singelton, einem ehemaligen Handelsseemann in seinem blauen Lieferwagen in Modesto mitgenommen. Lawrence erschien Mary als netter, älterer Mann, der in Wirklichkeit ein wahres Monster war. Denn anstatt Mary wie versprochen nach L.A. zu fahren, fuhr dieser in eine abgelegene Gegend. Als Mary dies bemerkte, versuchte sie zu fliehen. Daraufhin schlug Lawrence Mary bewusstlos. Als Mary erwachte, war sie gefesselt und nackt. Lawrence vergewaltigte Mary mehrfach, die stundenlang schrie und Lawrence bat, sie freizulassen. Dieser Bitte kam Lawrence tatsächlich nach, doch zuvor hackte er ihr mit einem Beil ihre beiden Arme ab, ehe er sie eine Schlucht hinunterwarf. Dort ließ er Mary sterbend zurück. Was Lawrence nicht wissen konnte war, dass Mary einen unglaublichen Überlebenswillen hatte. Trotz ihrer abgehackten Arme und kaum bei Bewusstsein, schaffte es Mary tatsächlich die 9 Meter hohe Schlucht zu überwinden, um die Straße zu erreichen. Immer wieder hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf, die den Satz sagte „Ich kann nicht einschlafen“. Die Ende ihrer Arme tauchte sie in Schlamm, um die Blutung zu stillen. Mary schaffte es nach fast 5 Kilometern auf der Interstate 5 ein Paar auf sich aufmerksam zu machen, das ihr half medizinische Hilfe zu holen. Bereits im Krankenhaus beschrieb Mary trotz ihrer Müdigkeit einer forensischen Zeichnerin ihren Peiniger. Mary wollte, dass Lawrence so schnell wie möglich gefasst wurde. Anhand ihrer exakten Personenbeschreibung konnte die Polizei Lawrence identifizieren und verhaften. Lawrence Singelton wurde für versuchten Mordes, Körperverletzung, Entführung und mehrfacher sexueller Nötigung für schuldig befunden. Er wurde zu 14 Jahren, der Höchststrafe, die damals nach kalifornischem Recht zulässig war, verurteilt. Nach dem Urteil drohte er Mary sie nach seiner Entlassung fertigzumachen. Mary gewann zwar den Zivilprozess gegen Lawrence, in dem ihr 2,56 Millionen Dollar zugesprochen wurden, die Lawrence aufgrund seiner Arbeitslosigkeit und Zahlungsunfähigkeit nicht zahlen konnte. Lawrence verbüßte von seiner Haftstrafe davon nur 8 Jahre und 14 Tage. Er wurde trotz heftiger öffentlicher Proteste 1987 entlassen. Lawrence musste jedoch bis zum Ende seiner Bewährung in einem Wohnwagen auf dem Gelände des San Quentin-Gefängnisses untergebracht werden, da ihn keine Gemeinde in Nordkalifornien aufnehmen wollte. Zehn Jahre nach seiner Entlassung tötete Lawrence Roxanne Hayes, seine 31 Jahre alte Lebensgefährtin und Mutter seiner 3 Kinder in Tampa. Mary sagte 1998 im Mordprozess gegen Lawrence erneut aus, der zum Tode verurteilt wurde. Doch noch vor seiner Hinrichtung segnete Lawrence 2001 im Todestrakt des Gefängnis das Zeitliche. Er hatte den Kampf gegen den Krebs verloren. Mary schlug nach ihrem traumatischen Erlebnis eine künstlerische Laufbahn ein, die Tausende von Pastellzeichnungen anfertigte. Sie besuchte die University of Nevada in Las Vegas, heiratete und bekam zwei Söhne. Nach ihrer Scheidung ging Mary mit Tony Mc Griff erneut den Bund fürs Leben ein, die mit ihm in Vaughn lebt. Sie engagiert sich bis heute als Anwältin für die Rechte der Opfer, die bei gesetzgebenden Körperschaften aussagte, um sich für eine Reform der Strafzumessung einzusetzen. Tatsächlich wurde in Kalifornien ein Gesetz verabschiedet, dass die Höchststrafe für Verbrechen wie das von Singelton erhöhte und inoffiziell als das „Singelton-Gesetz“ bezeichnet wurde. Mary bastelt zudem aus alten Stereoanlagen und Kühlschränken maßgeschneiderte Armprothesen, unter anderem zum Bowling. Mary Vincents Geschichte ist nicht nur schockierend, sondern beeindruckend. Mary ist ein Vorbild für alle Frauen, die sich nicht unterkriegen lässt und andere Frauen bis heute mit Motivationsreden ermutigt, sich aus der Opferrolle zu befreien. Trotz ihres Handicaps, das andere verzweifeln hätte lassen, lebt Mary ein normales Leben. Mary ist nicht nur eine wahre Überlebenskünstler, die anderen Frauen Mut macht sondern auch eine wahre Heldin.
