Im verschlafenen 2000-Seelen Nest Villisca im US-Bundesstaat Iowa, geschah 1912 ein Verbrechen, das die Nation erschütterte und bis heute ungelöst bleibt. In der schicksalhaften Nacht vom 9. auf den 10. Juni wurde eine sechsköpfige Familie samt zwei Nachbarsmädchen, die zu Besuch waren, brutal mit einer Axt ermordet. Trotz zahlreicher Verdächtiger und zweier Gerichtsprozesse blieb der Fall ohne Aufklärung, was ihn zu einem der mysteriösesten Kriminalfälle der amerikanischen Geschichte macht. Bei der ausgelöschten Familie handelte es sich um den 43 Jahre alten Josiah Moore, dessen 39 Jahre alte Ehefrau Sarah sowie deren vier Kinder und zwei Nachbarsmädchen. Am Nachmittag des Mordtages lud die 10 Jahre alte Katherine Moore ihre beiden Freundinnen Lena und Ina Stillinger zu sich nach Hause ein, die bei ihnen übernachten sollten. Gemeinsam besuchten sie am Abend die Kirche und kehrten gegen 22 Uhr nach Hause zurück. Was dann folgte, war eine grausame Tat, die nur schwer in Worte zu fassen ist. Denn alle acht Personen, die sich im Moore Haus aufhielten wurden brutal mit einer Axt ermordet. Das seltsame an den Morden war, dass der Mörder nachdem er alle 8 Personen getötet hatte, die Köpfe der sechsköpfigen Familie Moore bis zur Unkenntlichkeit zerstückelte, bevor er alle Leichen sowie alle Spiegel im Haus mit Kleidung bedeckte und an jedes Fußende des Bettes eine Kerze anzündete. Als am nächsten Morgen die Nachbarin Mary Peckham beim Wäscheaufhängen die unheimliche Stille im Haus der Moores bemerkte, wollte sie nach dem Rechten sehen. Sie ging zwischen 7 bis 8 Uhr zu den Moores und klopfte an deren Haus, doch niemand öffnete ihr. Nachdem sie die Tür verschlossen vorfand, rief sie in großer Besorgnis Josiahs Bruder Ross an, der schließlich das Haus mit einem Zweitschlüssel öffnete und die beiden Leichen der Nachbarsmädchen Lena und Ina Stillinger im Gästezimmer fand. Er alarmierte daraufhin sofort die Polizei, die die anderen Leichen im Haus entdeckten. Die Ermittlungen ergaben, dass die Morde zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens stattfanden. Entdeckt wurden auf dem Dachboden zwei angezündete Zigaretten, die darauf hindeuteten, dass sich der Täter möglicherweise dort versteckt hatte. Die Opfer waren, bis auf Lena Stillinger, die Abwehrspuren aufwies, im Schlaf überrascht worden – eine grausame Vorstellung, die nur durch die Brutalität an Josiah Moore übertroffen wurde, der durch die Schläge mit der Klinge der Axt ermordet worden war, während die anderen mit der Rückseite der Axt getötet wurden. Die Morde waren sorgfältig ausgeführt worden. Die Tatwaffe war eine Axt, die Josiah gehörte, die nach den Morden gründlich gereinigt worden war. Außerdem hatte der Täter nach den Morden sich nicht nur in der Küche gründlich gewaschen, sondern auch ein Stück rohen Schinken aus dem Kühlschrank genommen und davon seelenruhig gegessen. Danach verließ der Axtmörder kurz vor 5 Uhr morgens das Haus. Er nahm die Hausschlüssel und schloss damit das Haus sorgfältig ab. Aufgrund der Tatsache, dass nach dem Eintreffen der Polizei Hunderte Schaulustige den Tatort überrannten, gab es keine brauchbaren Fingerabdrücke und andere verwertbare Beweise. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Männer als mögliche Täter identifiziert, doch keine der Anklagen führte zu einer Verurteilung. Unter den Verdächtigen befand sich Andy Sawyer, ein Bauarbeiter, dessen nervöses Verhalten und unheimliches Interesse am Fall die Ermittler misstrauisch machten, der jedoch ein hieb- und stichfestes Alibi vorweisen konnte. Auch George Kelly, ein englischer Pfarrer, der am 9. Juni 1912 den Kindertag leitete, den auch die Moores besuchten und der Villisca erst am nächsten Morgen gegen 5 Uhr verlassen hatte, galt als Verdächtiger. Der Wanderprediger wurde als „eigenartiger Charakter“ beschrieben, der später ein verwirrendes Geständnis über die Axtmorde abgab, das er jedoch wieder zurücknahm. Während der erste Gerichtsprozess in einer „hung jury“ endete, da sich die Jury trotz intensiver Beratung nicht auf ein Urteil einigen konnte, wurde er im zweiten Gerichtsprozess freigesprochen. Auch Frank Fernando Jones, der ein konfliktbeladenes Verhältnis zu Josiah Moore hatte, wurde ebenfalls verdächtigt. Frank war ein knallharter Geschäftsmann und Staatssenator aus der Gemeinde für den einst Josiah gearbeitet hatte. Josiah war ein erfolgreicher Verkäufer in Franks Landmaschinengeschäft, bis dieser sich mit seinem eigenen Geschäft selbstständig gemacht und Frank den lukrativen „John Deere Großkunden“ weggeschnappt hatte. Seitdem galt Josiah nicht nur geschäftlich als dessen Rivale. Denn angeblich soll Josiah eine Affäre mit Franks Schwiegertochter Dona gehabt haben, weshalb Frank einen Auftragskiller namens William Mansfield angeheuert haben soll, um Josiah und dessen Familie auszulöschen. Nach mehr als einem Jahrhundert bleibt der Fall der Axtmorde von Villisca im Mittleren Westen ein faszinierendes und tragisches Beispiel für die dunklen Schatten, die in der menschlichen Natur verborgen liegen können. Trotz der vielen Theorien, Verdächtigen und spekulativen Erzählungen gibt es bis heute keine abschließende Antwort auf die Frage: Wer war der Mörder? Das Haus der Moores steht mittlerweile unter Denkmalschutz und zieht weiterhin neugierige Besucher an, die gemeinsam den spektakulären und unheimlichen Geschichten nachspüren, die diese tragischen Ereignisse umgeben. Das Mysterium von Villisca bleibt lebendig und erinnert uns an die Schrecken der Vergangenheit, die oft in den Schatten unserer Städte verborgen bleiben.
