Eine Geschichte, die wie aus einem Horrorschocker klingt, ist die von Thadius „Thad“ Phillips, einem 12 Jahre alten Jungen, der von einem sadistischsten Monster entführt und 43 Stunden lang gefoltert wurde. Dieses Monster war der 17 Jahre alte Joseph „Joe“ Clark, besser bekannt als der Knochenbrecher von Baraboo. Das erschreckende Drama ereignete sich im Juli 1995 in der beschaulichen Stadt Baraboo im US-Bundesstaat Wisconsin. In den frühen Morgenstunden des 29. Juli 1995 verschwand der 12-jährige Thad Phillips spurlos aus seinem Zuhause und geriet in die Hände eines skrupellosen Entführers. Was folgte, waren viele Stunden voller Schmerz und Qualen, bis Thad durch eine Mischung aus Mut und schierem Überlebenswillen nach drei missglückten Fluchtversuchen endlich aus den Fängen seines Peinigers entkommen konnte. Am besagten Sommertag verbrachte Thad den Abend mit seiner Familie. Sie waren Essen gewesen, seine Eltern, er selbst und seine drei jüngeren Geschwister. Anschließend, zurück in den heimischen vier Wänden, hatten Thad und seine jüngste Schwester es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, um gemeinsam Fernsehen zu schauen. Es war ein ganz gewöhnlicher Abend – bis Thads Leben einen erschütternden Wendepunkt nahm. Spät in der Nacht erwachte Thad jäh aus dem Schlaf. Er wurde getragen, doch sein benebelter Verstand nahm zunächst an, dass es sein Vater sei, der ihn wie so oft ins Bett brachte. Allerdings verließ der Träger das Haus, und etwas war an der Situation sonderbar. Trotz Unbehagen und anfänglicher Verwirrung gelang es Thad nicht, die drohende Gefahr zu erkennen. Im Dunkel der Nacht fiel ihm nicht auf, dass der Mann, der ihn trug, ein Fremder war. Der Unbekannte gab vor, ein Freund der Familie zu sein, der Hilfe benötigte. Thad, nichts ahnend und vom Schlaf benommen, folgte ihm bereitwillig in die kühle Nachtluft. Die beiden betraten schließlich ein heruntergekommenes Haus, das etwa eine halbe Meile entfernt lag und völlig zugemüllt war. Der Fremde, der sich Joe nannte, wollte Thad seine Modellautos oben im Zimmer zeigen. Als sie dort ankamen, stieß ihn Joe jedoch sofort aufs Bett. Was dann folgte, war der Anfang einer grausamen Folterserie, die in der Perfektion des Schmerzes gipfelte. Er drehte so lange ans Thads Knöchel, bis dieser brach und splitterte. Joe tat dies mit einer scheinbaren Leichtigkeit, als wäre es ein makabres Spiel, das er schon oft gespielt hatte. Danach vergrub Joe sein Gesicht in seinen Händen. Diese Gelegenheit nutzte Thad, der vom Bett aufsprang und versuchte zu fliehen. Er schaffte es die Treppe hinunter bis zur Küche, doch dort wurde er von Joe eingeholt. Er würgte Thad und zerrte ihn ins Wohnzimmer, wo er ihn auf die Couch warf. Dann begann er erneut mit seinen Folterungen. Er packte Thads rechtes Bein und drückte es mit aller Gewalt zu dessen Kopf. Joe verlagerte sein ganzes Gewicht darauf, bis Thads Bein über seinem Kopf war und sein Oberschenkelknochen brach. Der Oberschenkelknochen ist bekanntlich der stärkste Knochen im menschlichen Körper, der von mehreren Muskelschichten geschützt wird. Um diesen zu brechen, braucht es 4000 Newton Kraft, was über 400 Kilogramm entspricht. Dies macht die unfassbare Brutalität von Joe deutlich, der süchtig nach dem Geräusch von brechenden Knochen war. Joe war ein erbarmungsloser Sadist, der bereits ähnliche Taten begangen hatte. Im Verlauf der Tortur schaltete Joe zwischen brutalem Missbrauch und unbehaglicher Normalität hin und her, als wäre nichts geschehen. Diese schizoide Dualität verwirrte Thad und verstärkte seine Hilflosigkeit. Die endlosen Stunden der Pein waren nicht nur eine physische Prüfung; Joe manipulierte auch Thads Geist und spielte mit seinen Hoffnungen und Ängsten. Selbst als Thad die Möglichkeit erhielt, seine Eltern anzurufen, war es nur ein weiteres perfides Spiel von Joe, denn das Telefon war abgestellt. Nachdem Joe Thad auf dem Sofa zuerst gequält und dann mit ihm fern gesehen hatte, als wäre nichts geschehen, schleppte er ihn wieder in sein Zimmer im Obergeschoss und warf ihn aufs Bett. Thad wehrte sich heftig, doch Joe war zu stark, der nun dessen linken Knöchel packte und wieder so lange drehte, bis dieser brach und splitterte. Während dieser Tortur durfte Thad nicht schreien oder sich wehren, da Joe drohte ihm das Genick oder den Rücken zu brechen. Danach verließ Joe das Haus, doch sein Auto sprang nicht an. Dies machte ihn so wütend, dass er immer wieder zu Thad ins Zimmer ging, um diesen weiter zu foltern. Nach den Folterungen versuchte Joe die Verletzungen zu behandeln, in dem er aus weißen Socken eine Art Gipsverband bastelte, um Thad anschließend erneut zu peinigen. Trotz der ungeheuren Brutalität und Monstrosität, die ihm widerfuhr, bewahrte Thad seinen Kampfgeist. Immer wieder versuchte er, Joe zu entkommen, obwohl seine gebrochenen Gliedmaßen jeden Schritt zur Qual machten. Er gab trotz drei misslungener Fluchtversuche nicht auf, auch wenn er danach noch härter von Joe gequält wurde. Als Joe erneut das Haus verlassen wollte, um eine Party zu besuchen, sperrte er Thad in einen Schrank. Als dieser hörte, dass Joe weggefahren war, suchte er verzweifelt nach einem Gegenstand, um den verschlossenen Schrank aufzubrechen. Er fand eine Gitarre, mit der er so lange gegen die Tür hämmerte, bis diese nachgab. Er schaffte es die Tür zu entriegeln und aus dem Schrank zu kriechen. Er schleppte sich zur Treppe und stürzte sich kopfüber hinunter, dann verlor er das Bewusstsein. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, schleppte er sich mit seinen zerschmetterten Beinen zur Küche, wo sich ein Telefon an der Wand befand, das noch funktionierte. Mit letzter Kraft wählte er den Notruf und alarmierte die Polizei. Diese fand Thad in der Küche liegend vor, der sofort ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wenig später nahm die Polizei Joe Clark fest. Durch seine detaillierten Angaben konnten Ermittler zudem das Verschwinden eines anderen Jungen klären, was Joes weitere kriminelle Aktivitäten entlarvte. Denn während Thads Martyrium hatte Joe von zwei weiteren Jungen berichtet, die er gefoltert und getötet hatte. Thad konnte sich jedoch nur an den Namen Chris Steiner erinnern. Dieser 14 Jahre alte Junge war am 10. Juli tot im Wisconsin River gefunden worden, nachdem er 5 Tage lang spurlos von Zuhause verschwunden war. Trotz seiner Beinverletzungen wurde dessen Tod als tragischer Unfall durch Ertrinken aus unerklärlichen Gründen eingestuft. Nach Thads Aussage wurde dessen Leichnam exhumiert. Die Obduktion ergab, dass dieser ähnliche Bein- und Knöchelbrüche wie Thad aufwies. Daraufhin durchsuchte die Polizei Joe Clarks Zuhause und fand ein Tagebuch. Dieses stellte eine Art Todesliste mit Namen von 25-30 Jungen dar, die in 3 Kategorien „Kann warten“, „Jetzt zugreifen“ und „Das Beinproblem“ eingeteilt waren. Die Polizei ging nun davon aus, dass Joe auch Chris Steiner am 4. Juli 1994 aus seinem Elternhaus entführt hatte. Damals hatten Chris Eltern nach seinem Verschwinden bemerkt, dass im Zimmer, in dem Chris schlief, das Fliegengitter aufgeschnitten worden war. Zudem gab es im Haus schlammige Fußspuren und die Terrassentür war unverschlossen. Die Polizei war sich nach der Obduktion und Thads Aussage sicher, dass Joe Chris fünf Tage lang in seinem Haus gefoltert und dann lebend in den Wisconsin River geworfen hatte. Aufgrund seiner zertrümmerten Beine konnte Chris nicht schwimmen, weshalb er qualvoll ertrank. Joe bestritt alles und pochte auf seine Unschuld. Er gab lediglich zu Thad zu sich nach Hause mitgenommen zu haben, um mit ihm abzuhängen. Er wusste nicht, wie Thad zu seinen Verletzungen gekommen sei. Er selbst behauptete, einen Blackout zu haben, weshalb er sich an nichts erinnern könne. Doch Thads Aussage belastete Joe schwer. Als dieser im Prozess aussagen sollte, wurde er von Joes 15 Jahre alten Nachbarn und Freund namens Michael Huebsch aus purer Wut über Joes Verhaftung zweimal mit einem Jagdgewehr in den Rücken geschossen. Nach Thads Genesung sagte dieser abermals gegen Joe aus. Damit wurde Joe als brutaler Knochenbrecher endgültig das Handwerk gelegt. Joe wurde wegen der Entführung von Thad und seiner 43 Stunden langen Folter zu 100 Jahren Haft verurteilt. In einem Zivilprozess wurde Thads Familie 21 Millionen Dollar zugesprochen, die aber nie bezahlt wurden. Für den Mord an Chris Steiner erhielt Joe eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung plus 50 zusätzliche Jahre. Thad musste sich nach seiner Befreiung mehreren Operationen unterziehen, der zwar wieder gehen konnte, doch sein Leben lang hinken wird. Durch Thads mutige Tat damals rettete er nicht nur sein eigenes Leben, sondern führte auch zur Aufdeckung der Wahrheit über Chris Steiners Tod, die andernfalls im Verborgenen geblieben wäre. Dadurch bewahrte er womöglich auch andere Jungen davor, dasselbe Schicksal wie er und Chris zu erleiden. Die Geschichte von Thad Phillips ist eine erschütternde Erinnerung an die Abgründe menschlichen Handelns, aber auch ein Zeugnis unerschütterlichen Überlebenswillens und des Triumphes über absolute Dunkelheit. Sie zeigt, dass selbst in den tiefsten Schatten ein Licht der Hoffnung erstrahlen kann.
