Ein Mord, der vor über 300 Jahren passierte und bis heute Fragen aufwirft, ist der an dem Reichsgrafen Christian Detlev zu Rantzau, der am 10. November 1721 das Opfer eines Attentats wurde, das angeblich sein jüngerer Bruder Wilhelm Adolf beauftragt hatte. Nach dem Tod seines Vaters kehrte Christian Detlev zu Rantzau aus Frankreich zurück, um die Freie Reichsgrafschaft Rantzau zu übernehmen. Doch schon bald geriet der Reichsgraf in heftige Konflikte mit dem König und seinen Untertanen. Als er mit 27 Jahren das süße Leben in Frankreich hinter sich gelassen hatte, überwarf sich der neue Reichsgraf Christian Detlef schnell mit dem dänischen König Christian V. sowie mit König Friedrich IV., da er trotz der Vereinbarung seines Vaters mit dem norwegischen Vizekönig Ulrich Friedrich Güldenlöwe, sich weigerte dessen Tochter zu ehelichen, noch die Strafsumme von 30.000 Reichstalern wegen Vertragsbruchs zu zahlen. Aus diesem Grund entzog ihm Friedrich IV. alle Ehren und Ämter sowie die Erträge aus dem dänischen Gebiet. Während des Großen Nordischen Krieges, der von 1700 bis 1721 dauerte und um die Vorherrschaft des Ostseeraumes ging, blieb die Grafschaft Rantzau neutral. Doch die Untertanen des Reichsgrafen Christan Detlev zu Rantzau wurden immer unzufriedener, da dieser das gemeine Volk finanziell ausbeutete. Es kam zu sozialen Unruhen, die zu Aufständen führten. Um der Lage Herr zu werden, ersuchte der Reichsgraf Christian Detlev zu Rantzau Hilfe bei Freiherr von Schlitz, besser bekannt als Görtz. Dieser war der Vormund des unmündigen Gottorfer Herzog Carl Friedrich. Görtz schickte auf Bitten des Reichsgrafen Anfang Dezember 1705 60 Dragoner in die Reichsgrafschaft. Nachdem diese den Aufstand niedergeschlagen hatten, boten sie dem Reichsgrafen 201.000 Reichstaler für dessen Territorium. Doch der Reichsgraf lehnte ab. Dies hatte zufolge, dass im April nicht nur die Beamten aus Schleswig die Reichsgrafschaft in Besitz nahmen, sondern auch die Untertanen den Gottorfer Herzog huldigten. Zwar gab es starke Einwände vom dänischen König und dem deutschen Kaiser, aber erst nach der Vernichtung der Gottorf stützenden Schweden im Großen Nordischen Krieg 1713 wurden die Streitigkeiten auf Eis gelegt. Nach den nervenzerrenden Turbulenzen wollte sich der Reichsgraf Christian Detlev zu Rantzau in Berlin erholen, weshalb er 1715 zu seiner Cousine, der Gräfin von Cosel reiste. Doch in Berlin wurde er wegen des Verdachts der Sodomie verhaftet und in Spandau eingekerkert. Die Regentschaft der Reichsgrafschaft übernahm sein 17 Jahre jüngerer Bruder, der im Gegensatz zu seinem streitsüchtigen und ausbeuterischen Bruder, aufgrund seiner Bescheidenheit und guter Wirtschaftsführung beim Volk äußerst beliebt war. Doch 1720 wurde der Reichsgraf Christian Detlev zu Rantzau aus der Haft entlassen, der in der Hansestadt Hamburg 50 Mann anheuerte, mit denen er in die Grafschaft zurückkehrte. Erfolgreich eroberte er sich seinen Platz als Reichsgraf zurück und verdrängte seinen Bruder von seinem Platz. Fortan beutete dieser die Untertanen erneut bis aufs Blut aus, um sich so seinen ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Am 10. November begab sich der Reichsgraf gemeinsam mit einem Bekannten im Voßlocher Wald nahe des Schlosses Rantzau auf Schnepfenjagd, wo er von einer aus dem Unterholz abgefeuerten Kugel tödlich getroffen wurde. Sein Begleiter wurde nur leicht verletzt. Schnell geriet dessen Bruder Wilhelm Adolf unter Verdacht, den Mord an seinem despotischen Bruder in Auftrag gegeben zu haben. Dieser wurde am 31. Mai 1722 verhaftet und nach Rendsburg gebracht, wo ihm und seinen Komplizen der Prozess gemacht wurde. Im Juni 1725 wurde der Leutnant Detlev Prätorius als der Mörder des Reichsgrafen Christian Detlev zu Rantzau zum Tode verurteilt und enthauptet. Die angeblichen Komplizen wurden ausgepeitscht und gebrandmarkt. Am 9. April 1726 wurde der Auftraggeber des Brudermords, Wilhelm Adolf zu Rantzau, von einer Kriminalkommission in Rendsburg zu lebenslangem Kerker und einer Zahlung von 20.000 Reichstalern verurteilt. Er wurde nach dem Urteil sofort nach Oslo auf die Festung Akerhus überführt. Da der Testamentsvertrag von 1669 zwischen dem Reichsgraf Christian zu Rantzau, dem Vater von Christian Detlev und Wilhelm Adolf, mit Friedrich III., König von Dänemark und Herzog von Holstein, bestimmte, dass die Reichsgrafschaft an den Herzog fallen sollte, wenn es keinen männlichen Nachfolger im Hause Rantzau mehr gäbe, wurde die Grafschaft sowie die Güter Drage, Breitenburg und Rantzau vom dänischen König und Herzog von Holstein beschlagnahmt. Damit war die Reichsgrafschaft Rantzau Geschichte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. An den Mord an dem Reichsgrafen Christian Detlev Rantzau erinnert am Tatort im Voßlocher Wald ein Gedenkstein.
