Ein grauenhaftes Verbrechen, das in die Kriminalgeschichte als der Bottroper Brückenmord einging, ereignete sich im Februar 2009 in Bottrop. Am Abend des 17. Februars suchte ein unerbittlicher Sturm die Stadt Bottrop heim, der das Schicksal dreier Menschen auf grausame Weise miteinander verwob. Sandra S., eine 34-jährige Mutter zweier Kinder, fand sich inmitten eines Alptraums wieder, aus dem es keinen Ausweg zu geben schien. An ihrer Seite standen zwei Männer mit tiefen Verbindungen zu ihrem Leben: ihr Ex-Mann Markus L. und ihr neuer Freund Jörg W. . Einer von ihnen sollte diese Nacht nicht überleben. Sandra hatte schon immer eine turbulente Beziehung zu Männern gehabt. Ihr erstes Kind, eine Tochter, wurde 2005 geboren. Sie war das Ergebnis ihrer Ehe mit Markus L., einem 36-jährigen Mann, der trotz der Scheidung immer noch eine enge Bindung zu seiner Tochter und ein freundschaftliches Verhältnis zu Sandra pflegte. Ihr zweites Kind, ein Sohn, war erst ein Jahr alt und der gemeinsame Sohn mit Jörg W., einem 44-jährigen ehemaligen Türsteher und Weiberhelden. Doch die Beziehung zwischen Sandra und Jörg war weit entfernt von einer harmonischen Partnerschaft. Häufige, heftige Streitereien bestimmten ihren Alltag, meist ausgelöst durch Meinungsverschiedenheiten über die Erziehung der Kinder. Jörg setzte sich stets durch, in dem er nicht nur laut wurde, sondern Sandra auch schlug. Sandra lebte in ständiger Angst vor seinem unkontrollierten Temperament. Dabei trug Jörg am Anfang der Beziehung Sandra auf Händen, doch als er sich ihrer sicher war, entpuppte er sich als gewalttätiger Tyrann, der besitzergreifend war und Sandra physisch und psychisch misshandelte. Diese toxische Dynamik blieb auch Markus L. nicht verborgen. Irgendwann erfuhr er von der Misshandlung seiner Ex-Frau und sorgte sich unermesslich um seine Tochter. Obwohl es keine konkreten Hinweise darauf gab, dass Jörg W. die Kinder schlug, wuchs Markus Tochter dennoch in einem gewalttätigen Umfeld auf. Markus fühlte sich vom Jugendamt im Stich gelassen. Seine Versuche, die Situation durch Gespräche mit Jörg zu klären, scheiterten kläglich. Jörg drohte ihm unverhohlen mit körperlicher Gewalt, sollte er sich weiterhin in Sandras Angelegenheiten einmischen. Die Lage eskalierte schließlich am Abend des 17. Februar 2009. Jörg, frustriert durch ein missglücktes Date mit einer anderen Frau, suchte einen Streit mit Sandra. Er ließ seinen Frust an Sandra aus, die er bedrohte und ohrfeigte. Verängstigt schloss sich Sandra im Badezimmer ein und rief verzweifelt ihren Ex-Mann Markus an. Sie bat ihn um Hilfe und flehte, er solle Jörg „für immer wegbringen“. Markus, getrieben von Sorge und vielleicht auch von Rachegelüsten, zögerte nicht lange. Er kam bewaffnet mit einem Baseballschläger, Kabelbindern und einem Seil. Sandra ließ ihn heimlich in die Wohnung. Was dann geschah, wurde später vor Gericht detailliert aufgearbeitet. Markus schlug den schlafenden Jörg auf brutalste Weise, und Sandra stürzte sich anschließend mit einem Beil auf ihren Freund. Jörg starb noch vor Ort an seinen schweren Verletzungen. In einem verzweifelten Versuch, die Tat zu vertuschen, wickelte das Ex-Paar die Leiche in ein Bettlaken und trug sie ins Auto von Markus. Markus fuhr zur Brücke über den Rhein-Herne-Kanal, doch scheiterte daran, die Leiche über das Geländer zu hieven. In Panik ließ er den Körper einfach auf der Brücke liegen und floh. Doch die Spuren konnten nicht vollständig beseitigt werden. Die Polizei entdeckte bei späteren Ermittlungen verräterische Details, wie das plötzlich verschwundene Sofa und verdächtige Mobiltelefondaten, die auf häufige Kontakte zwischen Sandra und Markus in der Tatnacht hinwiesen. Leichenspürhunde bestätigten letztlich, dass im Wohnzimmer von Sandra eine Leiche gelegen haben musste. Das Beweismaterial war erdrückend. Sandra und Markus wurden vor dem Landgericht Essen des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gesprochen. Sandra erhielt aufgrund ihrer psychischen Belastung und Misshandlungen eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren, während Markus zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Diese grauenhafte Geschichte endete nicht nur mit dem Verlust eines Lebens, sondern hinterließ auch tiefe seelische Narben bei den Kindern, die in eine düstere Zukunft blicken. Ein erschütterndes Mahnmal, wie häusliche Gewalt und ungelöste Konflikte in Tragödien münden können.
