Ein fast perfektes Verbrechen war der Mord an Elaine O’Hara. Dieses ereignete sich am 22. August 2012, als die 36-jährige Elaine O’Hara aus Dublin in ihrem Auto zum einsamen Friedhof von Shanganagh fuhr und spurlos verschwand. Als ihr Vater Frank, der Elaines wichtigste Bezugsperson war, trotz SMS nichts von seiner Tochter hörte und diese auch nicht zur Verabredung mit seiner Lebensgefährtin Sheila Hawkins als Helferin beim Regattafestival „Tall Ships Race“ erschienen war, meldete er diese am 23. August 2012 bei der Polizei als vermisst. Die Polizei ging der Vermisstenmeldung nach und fand Elaines Auto verlassen vor dem Friedhof von Shanganagh. Die düsteren Wolken, die über Dublin zogen, schienen eine unheilvolle Vorahnung zu sein. Elaine, die eine schwierige Vergangenheit hinter sich hatte, einschließlich Aufenthalten in psychiatrischen Einrichtungen, schien Teil eines düsteren Mysteriums zu werden. Zunächst nahmen die Ermittler an, dass Elaine ihrem eigenen Leben ein Ende gesetzt hatte. Doch das Unheilvolle sollte erst noch ans Licht kommen. Elaine wurde am St. Patrick’s Day 1976 geboren, die als ältestes von vier Kindern von Frank und Eileen O’Hara in einer wohlhabenden Familie in Killiney, einem südlichen Vorort von Dublin, aufwuchs. Bereits in jungen Jahren hatte sie mit psychischen Problemen zu kämpfen. Im Alter von 16 Jahren hatte Elaine ihren ersten stationären Aufenthalt in der Psychiatrie, viele weitere folgten. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter Eileen im Jahr 2002 verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Als dann auch noch ihr Psychiater Professor Anthony Clare 2007 starb, stellte Elaine durch ihre Trauer und ihre psychische Verfassung ein gefundenes Fressen für manipulative Menschen dar. Elaine fehlte zudem finanziell jegliche Stabilität in ihrem Leben, sie arbeitete in Teilzeitjobs als Kinderbetreuerin sowie beim örtlichen Zeitungshändler und machte abends eine Ausbildung zur Montessori-Lehrerin. In ihrer Freizeit interessierte sich Elaine seit ihrer Jugend für Sado-Maso-Praktiken, wobei sie den submissiven Part einnahm. Ein dunkles Kapitel begann, als sie 2007 in den Online-Fetisch-Foren auf einen verheirateten Mann traf, der unter dem Pseudonym „architect72“ bekannt war. Die beiden begannen eine BDSM-Beziehung, die immer gefährlicher wurde. Elaine, die bereits Selbstverletzungstendenzen und Suizidgedanken hatte, geriet in eine Spirale aus Angst und Gewalt. Es waren über 13 Monate seit Elaines Verschwinden vergangen, als am 10. September 2013 drei Angler in einem abgelegenen Stausee am Vartry Reservoir eine Tasche mit belastendem Inhalt entdeckten. Diese enthielt Handschellen, Fesseln und anderes verdächtiges Zubehör. Die Entdeckung leitete eine schaurige Kette von Ereignissen ein, die die Wahrheit über Elaines Schicksal enthüllen sollte. Den Fund brachte der Angler William Fegan zur Polizeistation Roundwood, wo sich Garda O’Donoghue der Sache annahm. Am 16. September ging diese erneut zum Fundort, wo sie neben einem Messer. Fetischgegenstände auch einen Schlüsselbund mit einer Supermarkt-Kundenkarte befand, die Elaine gehörte. Daraufhin durchsuchte die Wasserschutzpolizei den Stausee, die neben einem Rucksack auch zwei Mobiltelefone der Marke Nokia fand. Doch noch immer fehlte jede Spur von Elaine. Erst Ende September 2013 als eine Hundetrainerin nahe den Dublin Mountains ihren Hunden in den Wald folgte und einen grausigen Fund von Knochenreste und Kleidung machte, die eindeutig menschlich waren, kam Licht über Elaine Verschwinden ins Dunkel. Die forensische Untersuchungen bestätigten bald, dass es sich um Elaine O’Hara handelte. Die Polizei stand nun vor einer Mordermittlung. Die Polizei setzte bei den Ermittlungen auf modernste Technik und durchsuchte Elaines Wohnung nach digitalen Beweisen. Auf ihrem Laptop fanden sie über 2600 Nachrichten zwischen Elaine und einem mysteriösen Mann. Es stellte sich heraus, dass dieser Mann niemand anderer als der renommierte Architekt Graham Dwyer war, der ein Doppelleben als sadistischer Sexualstraftäter führte. Der 42 Jahre alte Graham Dwyer galt als angesehener Anwalt, der verheiratet und Vater zweier Kinder war. Dwyer hatte sich aus einer Arbeiterfamilie hochgearbeitet, der am 13. September 1972 als Sohn von Séan und Susan Dwyer in Bandon zur Welt kam. Nach erfolgreichem Architekturstudium an der Technology University in Dublin, heiratete er 2001 Gemma Healy. Dwyer arbeitete in einer renommierten Anwaltskanzlei. Das Eheppar lebte im wohlhabenden Stadtteil Foxrocks im Süden Dublin. Dwyer galt als vorbildlicher Familienvater, der am Wochenende in seiner Einfahrt seinen Porsche wusch und mit seiner Familie liebend gern campte. Keiner ahnte, dass sich hinter dem liebevollen Ehemann, ein sadistisches Monster verbarg, das entsetzliche Gewaltfantasien hatte. Dwyers dunkle Fantasien und Vorlieben Frauen beim Sex mit einem Messer zu stechen oder gar zu töten, führten ihn auf einen Weg des Grauens. Er hatte Elaine manipuliert, ihre psychischen Schwächen ausgenutzt und sie in abscheuliche Praktiken gezwungen. Auf Videos, die auf seinem Computer gefunden wurden, war die nackte, gefesselte und geknebelte Elaine zu sehen, der er während des Sex mit einem Messer in den Unterleib und die Brüste stach. Dwyer hatte mit diversen Frauen über Chats Kontakt, darunter war auch die Amerikanerin Darci Day aus Maine. Als er dieser seinen Plan mitteilte, sie mit einem Messer zu töten, beendete sie den Kontakt. Dwyer wollte auch die Immobilienmaklerin Rowena Quinn ums Eck bringen, wobei ihm Elaine helfen sollte. Elaine war ihrem Master, wie sie Dwyer nannte, hörig. Dieser verlangte nicht nur abnorme Sexpraktiken und ihre Mithilfe bei einem Mordkomplott, sondern sie sollte sich auch das Wort „Slave“ in ihren Intimbereich tätowieren lassen. Die Beweislage gegen Dwyer war erdrückend. Neben den Textnachrichten konnte die Polizei auch Handydaten aufspüren, die bewiesen, dass Dwyer am Tag von Elaines Verschwinden in der Nähe der fraglichen Orte gewesen war. Dwyer wurde schließlich wegen dem Mord an Elaine O’Hara angeklagt. Im März 2015 endete der Prozess gegen Dwyer mit einem Schuldspruch wegen des Mordes an Elaine O’Hara. Die Jury war überzeugt von der Beweiskraft der Textnachrichten und sonstiger Indizien. Dwyer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Verteidigung versuchte, die Nutzung von Mobilfunkdaten anzufechten, doch bisher blieb dies ohne Erfolg. Elaine O’Hara war eine verletzliche, aber liebenswerte Person, die besseres verdient hätte. Ihr Leben endete grausam aufgrund der sadistischen Fantasien eines Mannes, der ihre Schwächen gnadenlos ausnutzte. Durch Dwyers grausame Handlungen fand Elaine zu Lebzeiten keinen Frieden, jedoch brachte ihr Tod letztendlich Gerechtigkeit. Elaine O’Hara mag zwar fort sein, doch ihr Fall bleibt als Mahnung bestehen: Nichts bleibt ewig verborgen.
