Man schreibt das Jahr 1937, als am 11. März der Tischler Leopold Hasel abends bei der Polizeiwache Landstraße Gürtel 252 in Österreichs Hauptstadt Wien erschien. Dort teilte er dem Wachkommandanten mit, dass ein furchtbares Verbrechen in seinem Haus passiert war, da seine Küche voller Blut war. Sofort machte sich der Polizeibezirksinspektor zusammen mit mehreren Wachen auf den Weg in das Haus an der Grenze zwischen den Wiener Gemeindebezirken Landstraße und Favoriten am Gürtel, wo sie eine große Blutlache in der Küche und in der angeschlossenen Werkstatt eine zerstückelte, kopflose Männerleiche vorfanden. Der Tote wurde als der polizeibekannte Kokainhändler und Einbrecher Leopold Kaufer, ein ehemaliger Chauffeur identifiziert. Offensichtlich war er von der Ehefrau des Tischlers, Rosa Hasel, und deren langjährigem Geliebten, dem tschechischen Kaufmann Karl Dudek, ermordet worden. Beide wurden verhaftet und zum Verhör aufs Kommissariat gebracht. Zwischenzeitlich wurde der Tatort untersucht. Auf dem Kommissariat Favoriten wurde zuerst Rosa Hasel verhört, die gestand zusammen mit ihrem Geliebten Karl Dudek den Leopold ermordet zu haben. Rosa war eine mittelgroße, stabil gebaute Frau mit wuschelartigem Straßenköterblonden Haar und einer leicht schiefen Nase. Sie stammte aus einfachen Wiener Verhältnissen. Ihr Vater war Maschinenschlosser und ihre Mutter eine Hausgehilfin. Rosa hatte noch 4 Geschwister. Nach ihrem Schulabschluss hatte sie eine Schneiderausbildung begonnen. Ein Jahr lang ging sie dieser nach, bevor sie einen Maschinenschreibkurs absolvierte. Sie fand eine gut bezahlte Arbeit in einem Büro, ging aber trotz dieser der Prostitution nach, weshalb sie mehrfach verhaftet wurde. Rosa war schon einmal verheiratet gewesen. Kurz nach ihrer Scheidung heiratete sie Leopold, mit dessen Bruder Rosa zuvor eine sexuelle Beziehung gehabt hatte, die sie auch nach der Heirat fortsetzte. Leopold wusste von Rosas außerehelichen Affären nichts, da Rosa diese gekonnt vor ihm verheimlichen konnte. Das Haus, in dem Rosa mit Leopold wohnte, der mittlerweile arbeitslos war, gehörte beiden Brüdern. An jenem Tag der Ermordung hatte Leopold seinen Bruder Josef besucht. Rosa hatte dessen Abwesenheit ausgenutzt, um Leopold Kaufer, den Rosa seit 1936 kannte und mit dem sie ab und an Sex hatte, sowie ihren Geliebten Karl Dudek, den Rosa seit 1932 als Geliebten hatte, zu einer Sauftour einzuladen. Dafür hatte Rosa, die schwer alkoholkrank war und täglich 5-6 Liter von dem Teufelszeug konsumierte, sogar zwei ihrer Ringe versetzt. Nach der Sauftour in einem Gasthaus war das Trio in Rosas Haus gegangen, wo Leopold immer zudringlicher wurde. Rosa wehrte sich, aber Leopold ließ nicht von ihr ab. Sie nahm eine Hacke und schlug auf Leopold ein und rief gleichzeitig Karl, einen schmächtigen, mittelgroßen Mann mit schwarzem aufgezwirbelten Bart, um Hilfe. Als Leopold durch Rosas Schläge zu Boden stürzte traten beide auf diesen ein. Als dieser bewusstlos war, schleppten sie ihn von der Küche in die Werkstatt. Dann entkleideten sie ihn, um seine Leiche mit einem Messer und der Hacke zu zerstückeln, damit sie diese im Kanalabfluss beseitigen konnten. Als Rosas Ehemann gegen 20.30 Uhr nach Hause kam, wollte ihn Rosa ins Wirtshaus schicken. Doch dieser roch den Braten, als er das Blut in der Küche sah. Daraufhin gestand ihm Rosa den Mord. Leopold alarmierte unverzüglich die Polizei. Rosa gestand die Tötung von Leopold ohne jegliche Gefühlsregung. Leopold Kaufer war ein verheirateter Mann, der aber bei seiner verwitweten Mutter in der Humboldtgasse 16 lebte. Einst war er als Chauffeur tätig gewesen. Doch seit geraumer Zeit lebte vom Schleichhandel mit Kokain, weshalb er polizeibekannt war. Rosa stellte den Mord an Leopold als ein Liebesdrama der Unterwelt dar. Angeblich wollte Leopold, der vernarrt in Rosa war, diese heiraten. Da deren Ehemann aber keiner Scheidung zustimmte, sprach er Morddrohungen gegen diesen und auch Rosa aus. Rosa nahm die Morddrohungen sehr ernst, da Leopold stets einen Revolver und ein Messer bei sich trug. Im Polizeiverhör gab sich Rosa als die Haupttäterin aus, die in Notwehr Leopold getötet hatte. Ihr langjähriger Geliebter Karl war ihr nur zu Hilfe geeilt. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass Rosa nicht nur ein Lotterleben führte und immer noch als Prostituierte arbeitete, sondern dass sie auch zusammen mit Karl seit Monaten gewerbsmäßig Hunde abschlachtete, weshalb das Duo den Beinamen „Hundeschreck vom Favoriten“ erhielt. Aus dem Fleisch der Hunde wurden Speisen hergestellt. Das Fett wurde als Heilmittel für Tuberkulose verkauft. Das Geld dafür investierte Rosa natürlich in Alkohol. Die Obduktion ergab, dass Leopold Kaufer durch Schläge mit einer Hacke auf den Kopf getötet worden war. Sein Kopf war zerschmettert worden und seine Augen waren später mit der Hacke ausgestochen worden. Danach wurde er fachgerecht wie von einem Fleischer zerstückelt. Zwar war sich die Polizei sicher, dass der Mord an Leopold Kaufer von langer Hand geplant worden war. Doch sowohl Rosa als auch Karl beharrten darauf, dass sie Leopold im Affekt getötet hatten. Rosa pflegte viele Männerbekanntschaften. Von ihrem Ehemann hatte sie sich sogar eine Verzichtserklärung ausstellen lassen. In der Ersten sollte er auf seine Frau und in der Zweiten auf die gesamte Wohnungseinrichtung verzichten. Diese hatte sie Leopold Kaufer anvertraut. Als sie diese von ihm zurückforderte, wollte er Rosa aber diese nicht zurück geben. Das Wiener Sicherheitsbüro erstattete gegen das Mörderpaar am 16. März 1937 Anzeige an das Standgericht. Doch beide wurden am 18. März 1937 dem Straflandesgericht I. überstellt. Am 22. November 1937 begann der Sensationsprozess des Jahres am großen Schwurgerichtssaal des Grauen Hauses des Landgerichts 1 gegen die 37 Jahre alte Rosa Hasel und ihren 48 Jahre alten Geliebten Karl Dudek wegen des Mordes an Leopold Kaufer unter den Augen unzähliger Schaulustiger. Am 1. Verhandlungstag bekannte sich Rosa für schuldig des Mordes an Leopold Kaufer, behauptete aber, dass Karl die tödlichen Schläge ausgeführt hatte. Am 2. Verhandlungstag des Mordprozesses wies Karl jede Schuld von sich. Er sagte aus, dass er nur aus Angst Rosa geholfen hatte, die Spuren zu beseitigen. Nach der Befragung von Zeugen und wirren Aussagen von Karl Dudek an den weiteren Verhandlungstagen, sagte dieser am letzten Verhandlungstag aus, dass er Leopold geschlagen und am Boden festgehalten hatte, während Rosa diesem die tödlichen Hiebe verpasst hatte. Am 27. November 1937 wurden Rosa Hasel und Karl Dudek wegen des Mordes an Leopold Kaufer zum Tod durch den Strang verurteilt. Beide nahmen das Urteil gefasst und ruhig auf. Am 12. November 1938 wurde Rosa Hasel und Karl Dudek wegen dem gemeinschaftlichen Mord an Rosa Geliebten und Karls Nebenbuhler, Leopold Kaufer, hingerichtet. Damit war das tragische Liebesdrama endgültig Geschichte.
