Die 1920er Jahre waren für die Stadt Sheffield eine schwierige Zeit. Hohe Arbeitslosigkeit und extreme Armut verwandelten Teile der Stadt in elende Slums, die bald von Banden heimgesucht wurden. Eine der berüchtigsten war die Park Brigade, angeführt von Samuel Garvin. Diese Gang terrorisierte die East End und Park Gebiete der Stadt und fühlte sich über dem Gesetz stehend. Inmitten dieses Chaos lebten der 25 Jahre alte Lawrence Fowler und sein 23 Jahre alter jüngerer Bruder Wilfred, die ebenfalls Mitglieder der Park Brigade waren. Die Brutalität und Gesetzlosigkeit, die diese Gang an den Tag legte, hatten weitreichende Folgen für die Community. Ein Vorfall im April 1925 sollte jedoch das Schicksal der Brüder und ihrer Gang entscheidend ändern. Am 26. April 1925 gerieten ein Gangmitglied namens Trimmer Welsh und William Francis Plommer, ein 27-jähriger Ex-Boxer, in einen heftigen Streit in einem Pub. Plommer, der sich für die ungerechte Behandlung einer Bardame durch Welsh einsetzte, verprügelte diesen ordentlich. Dabei ließ er seinen Ruf als starker und mutiger Mann erneut aufleben. Doch zwei Tage später, am 28. April, sollte ein weiteres Aufeinandertreffen stattfinden, das tragisch enden sollte. An jenem Tag wurden Plommer und sein Freund Jack Clay von der Park Brigade überfallen. Wilfred Fowler war einer der Angreifer. Aber auch diesmal konnte sich Plommer erfolgreich verteidigen. Diese zweite Niederlage war ein schwerer Schlag für den Stolz und die Arroganz der Gang. Natürlich konnten sie diese Demütigung nicht auf sich sitzen lassen. Am 27. April 1925 zog eine wütende Menge von etwa einem Dutzend Gangmitgliedern zu Plommers Haus in der Princess Street in Norfolk Bridge. Als Plommer herauskam, wurde er mit Knüppeln, Ketten und Messern angegriffen. Plommer wurde schwer verletzt ins Sheffield Royal Krankenhaus gebracht, wo er kurz nach seiner Ankunft starb. Die Gemeinschaft war schockiert und bestürzt über den grausamen Mord an Plommer. Tausende Menschen versammelten sich bei seinem Begräbnis, da sie ihn als Helden verehrten. Unterdessen blieben die Fowler-Brüder am Tatort und warteten auf die Polizei. Lawrence gestand zunächst, Plommer auf den Kopf geschlagen zu haben, widerrief dies später jedoch. Trotz der Versuche der Gang, Spuren zu verwischen oder sich Alibis zu verschaffen, wurde die Mehrheit der Beteiligten schnell gefasst und verhaftet. Der Prozess gegen die sieben Hauptverdächtigen begann am 28. Juli 1925 vor dem Richter Finlay in Leeds. Die Fowler-Brüder behaupteten, dass Plommer sie angegriffen habe und sie aus Notwehr handelten. Diese Aussage wurde jedoch durch einen Augenzeugen widerlegt, der berichtete, dass Lawrence zu Plommer gesagt habe: „Du hast unseren Jungen fertiggemacht, jetzt sind wir dran.“ Als Ergebnis wurden Lawrence und Wilfred Fowler des Mordes für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt. Andere Gangmitglieder erhielten langjährige Haftstrafen wegen Totschlags. Die Fowlers legten Berufung gegen ihre Verurteilung ein, die jedoch am 18. April 1926 abgewiesen wurde. Am 3. September 1925 wurden Wilfred Fowler und Alfred David Bostock, der seine Geliebte ermordet hatte, im Armley-Gefängnis gehängt. Am folgenden Tag wurde Lawrence Fowler ebenfalls hingerichtet. Die Hinrichtungen wurden von Thomas Pierrepoint, Großbritanniens berühmtestem Henker, durchgeführt. Der beispiellose Mord an Plommer und die anschließende rigorose Strafverfolgung markierten den Anfang vom Ende der Park Brigade. Der Chef der Polizei von Sheffield, Oberst John Hall-Dalwood, gründete nur vier Tage nach Plommers Ermordung die Special Duty Squad, später bekannt als „Flying Squad“. Diese Spezialeinheit bestand aus vier hartgesottenen Offizieren, deren Mission es war, die Banden zu zerschlagen. Zusätzlich brachte der neue Polizeichef Captain Percy Sillitoe, der später als „Gang-Breaker“ bekannt wurde, seine Methoden zur Bekämpfung der Kriminalität nach Sheffield. Sillitoes Karriere führte ihn schließlich bis zur Spitze von MI5. Sheffield der 1920er Jahre ist ein düsteres Kapitel in der Geschichte der Stadt, aber es zeigt auch den Willen und die Entschlossenheit der Gemeinschaft, gegen die Angst und Kriminalität zu kämpfen und Gerechtigkeit walten zu lassen. Mit jeder Welle der Gewalt kam auch eine geballte Antwort, die letztendlich dazu führte, dass die Ordnung wiederhergestellt wurde. Dies bleibt ein beeindruckendes Zeugnis des menschlichen Geistes und seiner Fähigkeit, sich gegen das Chaos zu stellen und es zu überwinden.
