Die Geschichte von William Corder, besser bekannt als der „Red Barn Murder“, dem berüchtigten Mord im Roten Stall fasziniert die Menschen auch nach fast 200 Jahren. Diese blutige Episode aus England hat nicht nur zu einem der aufsehenerregendsten Prozesse des Jahrhunderts geführt, sondern auch zu einer kuriosen Anekdote über ein Buch, das in der Haut des Mörders gebunden ist. Lass uns tiefer in die Geschichte eintauchen und herausfinden, was es mit William Corder, seinem Opfer Maria Marten und den düsteren Erinnerungsstücken auf sich hat, die bis heute erhalten sind. William Corder war Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie in Polstead, einem kleinen Dorf zwischen Ipswich und Sudbury, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Als der 22-jährige William und die 24-jährige Maria Marten Liebhaber wurden, hatte er bereits den Ruf eines Frauenhelden. Maria lebte mit ihrem Vater, einem Maulwurfsjäger, ihrer Stiefmutter, Schwester und ihrem kleinen Sohn Thomas Henry aus einer früheren Beziehung zusammen und sah in William möglicherweise einen Ausweg aus ihrer bescheidenen Lebenssituation. Im Jahr 1827 plante William, mit Maria durchzubrennen, die kurz zuvor ein Kind von ihm auf die Welt gebracht hatte, das jedoch nach 2 Wochen gestorben war. William sagte Maria, sie solle ihn im Roten Stall auf dem Hof der Corders treffen, von wo aus sie nach Ipswich fahren und die Hochzeitsankündigungen besorgen wollten. Doch danach wurde Maria nie wieder gesehen, und William verschwand ebenfalls. In Wirklichkeit war William nach der Begegnung am Roten Stall untergetaucht, während Maria erschossen und in derselben Scheune begraben wurde. Fast ein Jahr später hatte Ann Marten, Marias Stiefmutter, angeblich einen Traum, in dem sie sah, dass Maria tot war und im Roten Stall lag. Daraufhin grub Marias Vater mit seiner „Maulwurfshacke“ und fand die sterblichen Überreste seiner Tochter. Nach der Entdeckung von Marias Leiche begann eine landesweite Jagd auf William Corder. Ein Zeitungsredakteur wies darauf hin, dass er William kannte. In dem Bemühen, der Einsamkeit zu entkommen, setzte William eine Anzeige in der Zeitung Sunday Times auf, in der er eine neue Ehefrau suchte. William erhielt über 45 Antworten und entschied sich schließlich für eine Frau namens Mary Moore, die er heiratete und mit der er eine Damenpension betrieb. Dies führte schließlich dazu, dass er aufgespürt wurde. Er leugnete zunächst jegliches Wissen über Marias Verbleib, hatte aber einen Brief aus Polstead bei sich, in dem stand, dass ihre Leiche gefunden worden war. William Corder wurde nach Bury St Edmunds gebracht, wo er wegen des Mordes an Maria Marten angeklagt wurde. Vor Gericht behauptete er, Maria habe Selbstmord begangen, indem er die tote Frau eines Kapitalverbrechens beschuldigte. Nach einem zweitägigen Prozess wurde er von den Geschworenen nach nur 35 Minuten für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt. Danach gestand er Maria versehentlich während eines Streits erschossen zu haben. Am 11. August 1828 versammelten sich schätzungsweise 7.000 bis 10.000 Menschen, um Williams Hinrichtung zu sehen. Die Menge war so groß, dass eine provisorische Richtstätte eingerichtet wurde. Anschließend durften die Menschen an seinem Leichnam vorbeimarschieren, der im Shire Hall ausgestellt war. Der Mord und die darauf folgenden Ereignisse machten Polstead zu einem beliebten Touristenort. Der Rote Stall und sogar Marias Grabstein wurden zu touristischen Hotspots. Das Interesse an diesem Verbrechen führte zu Büchern, Theater- und Musikstücken und prägt die True-Crime-Kultur bis heute. Eine besonders makabre Erinnerung an diese Geschichte ist ein Buch, das aus der Haut von William Corder gebunden ist. Es wird seit 1933 im Moyse’s Hall Museum in Bury St Edmunds aufbewahrt. Das Buch wurde von einer Familie gespendet, die enge Verbindungen zu dem Chirurgen George Creed hatte, der Corders Körper sezierte und das Buch 1838 band. Die Bücher enthalten Berichte über den Prozess und tragen handschriftliche Anmerkungen von Creed. Die Geschichte von William Corder und dem Mord im Roten Stall bleibt ein düsteres Kapitel in der britischen Geschichte. Sie spiegelt die Sensationslust und das makabre Interesse der Gesellschaft wider, das bis heute anhält. Mit den erhaltenen Erinnerungsstücken, einschließlich des in Haut gebundenen Buches, bleibt diese Geschichte lebendig und fasziniert weiterhin Historiker und True-Crime-Enthusiasten gleichermaßen. Während zukünftige Ausstellungen hoffentlich auch das Leben und Schicksal der weiblichen Opfer wie Maria Marten ins Rampenlicht rücken werden, bleibt der Mord im Roten Stall ein eindringliches Beispiel für menschliche Tragödien und kollektive Erinnerung.
