Im Jahr 2019 löste der Mord an der 17 Jahre alten amerikanischen Teenagerin Bianca Michelle Devins aus Utica eine Schockwelle nicht nur in Amerika, sondern weltweit aus, da ihr Mörder, ihr 21 Jahre alter männlicher Bekannter, Brandon Andrew Clark, diesen live im Internet gestreamt hatte. Laut Polizeiberichten hatten Devins und Clark eine intime Beziehung, obwohl beide die Beziehung unterschiedlich wahrnahmen. Devins‘ Schwester bezeichnete Clark als engen Familienfreund, während andere ihn als ausbeuterisch ansahen. Denn Clark besorgte Devins regelmäßig Drogen, wenn diese high war, nutzte Clark das schamlos aus, in dem er mit Devins Sex hatte. Der Mord ereignete sich, nachdem Clark angeblich gesehen hatte, wie Devins einen anderen Mann küsste. Der Mord an Devins erhielt erhebliche Aufmerksamkeit in den Medien und sozialen Netzwerken. Da Clark Fotos von Devins‘ Leiche unmittelbar nach der Tat online verbreitet hatte. Die Reaktionen der sozialen Medien führten zu scharfer Kritik und schließlich zur Einführung neuer Gesetze. Experten diskutierten die Einzigartigkeit des Verbrechens und dessen Verbindung zu den Strukturen sozialer Medien. Bianca Michelle Devins wollte Psychologie am Mohawk Valley Community College in Utica studieren. Sie kämpfte mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und posttraumatischem Stress. Diese Probleme sorgten bei ihren Angehörigen für Besorgnis. Sie hatte häufig Krankenhausaufenthalte zur Behandlung ihrer mentalen Gesundheit. In Online-Communities fand sie Trost und Anschluss. Clark, geboren am 6. Oktober 1997, erlebte eine traumatische Kindheit. Einmal sah er, wie sein Vater seine Mutter mehrere Stunden lang mit einem Messer bedrohte. Als Devins‘ Mutter Clark kennenlernte, empfand sie ihn als höflich und nett. Clark und Devins lernten sich im April 2019 über Instagram kennen, nachdem er anfing, ihr auf der Plattform zu folgen. Die Polizei beschrieb ihre Freundschaft als „persönlich intim“, während Freunde und Familie dies anders sahen. Devins erklärte ihrer Mutter, dass sie Clark deutlich gemacht hatte, dass sie keine romantische Beziehung mit ihm wollte. Trotzdem glaubte ihre Mutter, dass Clark sich eine feste Beziehung mit Devins wünschte. Einige Angehörige sahen Clark als vertrauenswürdigen Familienfreund, während Freunde befürchteten, dass er Devins sexuell ausnutzte, insbesondere unter Drogeneinfluss. Berichten zufolge versorgte Clark Devins mit Drogen, um ihre Zeit mit ihm zu sichern. Am 13. Juli 2019 besuchten Devins, Clark und ein gemeinsamer Freund namens Alex ein Konzert von Nicole Dollanganger in New York City. Nach der Show kehrten Devins und Clark nach Utica zurück. Es kam zu einem Streit, wahrscheinlich wegen eines Kusses zwischen Devins und Alex. Devins schlief im Auto ein, und Clark begann, sie mit einem langen Messer, das er versteckt hatte, anzugreifen und schnitt ihr die Kehle durch. Devins starb in den frühen Morgenstunden des 14. Juli. Ihre fast enthauptete Leiche blieb im Auto, während Clark ein Lagerfeuer entfachte und den Song „Test Drive“ von Joji hörte. Nach Devins‘ Tod rief Clark mehrere Familienmitglieder an. Seine Anrufe ähnelten Abschiedsbriefen, was seine Familie dazu veranlasste, die Polizei zu alarmieren. Er veröffentlichte Fotos von Devins‘ Leiche auf Discord mit der Nachricht: „Sorry Leute, ihr müsst euch ein neues Objekt der Begierde suchen.“ Die Polizei wurde gegen 7:00 Uhr morgens von Discord-Nutzern, die die Bilder gesehen hatten, benachrichtigt und kontaktierte Devins‘ Familie. Clark selbst rief ebenfalls bei der Polizei an, der sich als Brandon ausgab. Er machte nicht nur belastende Aussagen, sondern deutete auch an, sich etwas an zutun. Bei der Ankunft der Polizei stach sich Clark in den Hals und legte sich auf eine grüne Plane, die Devins‘ Leiche verdeckte. Danach machte er noch ein Selfie. Clark wurde anschließend von der Polizei überwältigt und ins Krankenhaus eingeliefert. Am 15. Juli 2019 wurde eine Mahnwache für Devins abgehalten, und ihre Beerdigung fand vier Tage später statt. Im Juli 2020 gab es eine weitere Gedenkveranstaltung. Am 14. Februar 2020 fand eine Mode- und Kunstausstellung statt, die Devins‘ Werke zeigte. Das Adirondack Bank Center am Utica Memorial Auditorium wurde zu Ehren von Devins beleuchtet. Ihr Großvater dankte der Gemeinde von Utica für ihre Unterstützung. Unter dem Hashtag #pinkcloudsforbianca teilten Nutzer Fotos und eigene Kunstwerke von rosa Wolken, um gegen die Verbreitung der Bilder von Devins‘ Leiche vorzugehen. Diese Bilder wurden weit in sozialen Medien wie Instagram, Facebook und Twitter geteilt und fanden auf Websites wie 4chan großen Anklang, wo sie als „ein weiterer 4chan-Mord“ gefeiert wurden. Auf Incels.co und 8chan gab es ebenfalls jubelnde Kommentare. #ripbianca trendete kurzzeitig auf Twitter. Einige Konten versprachen, die Bilder im Austausch gegen Likes und Follower zu posten, und gefälschte Spendenaktionen tauchten auf, um von ihrem Namen und Tod zu profitieren. Die anfängliche Diskussion über den Mord wurde von Fehlinformationen und Gerüchten geprägt. Tweets prominenter Twitter-Nutzer, einer davon wurde über 16.000 Mal geteilt, identifizierten Clark fälschlicherweise als Incel. Spekulationen über das Verbrechen verbreiteten sich schnell auf X, YouTube und Reddit, wobei Nutzer Devins‘ Geschichte untersuchten und versuchten, den Mord zu erklären. Kriminaljustizprofessor James Densley äußerte Bedenken, dass die Bilder bei Betrachtern Traumata auslösen könnten. Devins‘ Stiefvater, der am meisten belästigt wurde, berichtete von Flashbacks, und ihre Schwester sah die Bilder in Gedanken, bevor sie einschlief. Devins‘ Mutter sagte, viele Menschen seien durch die Bilder lebenslang traumatisiert worden und hätten PTBS entwickelt. Instagram und Facebook entfernten Clarks Konto und versuchten, die Verbreitung der Fotos zu stoppen. Facebook fügte die Bilder der Mordes zu einer digitalen Fingerabdruck-Datenbank hinzu und setzte den Hashtag #yesjuliet auf die schwarze Liste. Der von Clark genutzte Discord-Server wurde geschlossen. Nutzer, die versuchten, die Fotos auf Instagram zu melden, stellten fest, dass diese nicht als Verletzung der Gemeinschaftsrichtlinien angesehen wurden. Die Antwort von Instagram wurde stark kritisiert. Bis zum 15. Juli 2019 hatte die Geschichte die Mainstream-Medien erreicht und weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Devins hatte vor ihrem Tod 2.000 Follower, bis zum 15. Juli war ihre Followerzahl auf 75.000 gestiegen. Die Verbindung des Internets mit dem Mord wurde von vielen hervorgehoben. Das Verbrechen wurde als Beispiel häuslicher Gewalt gegen Frauen und toxischen Männlichkeit diskutiert. Manche sahen Misogynie als relevanten Kontext für Devins‘ Tod. Clark’s Verhalten nach Devins‘ Tod wurde als Demonstration der Kontrolle interpretiert, einschließlich von ihrer Mutter. Clark plädierte am 29. Juli 2019 auf nicht schuldig wegen Mordes zweiten Grades. Später wurde er wegen Förderung von Schmuggelware angeklagt, nachdem Beamte einen geschärften Zahnbürstenstab in seiner Zelle gefunden hatten. Laut Devins‘ Mutter schrieb er um diese Zeit einen Brief an einen Freund, in dem er angab, wie es sich anfühlte, zu töten. Dieser Brief erläuterte angeblich sein Motiv: „Er konnte den Gedanken nicht ertragen, dass sie sein Leben verlässt.“ Am 10. Februar 2020 änderte Clark sein Plädoyer auf schuldig. Seine Verurteilung war für den 7. April angesetzt, wurde jedoch wegen der COVID-19-Pandemie verschoben. Am 2. Juni beantragte er, sein Geständnis zurückzuziehen, und behauptete, sein Anwalt habe ihn im Stich gelassen. Dies wurde abgelehnt, da er seine Schuld zugegeben hatte. Am 30. September fand seine Anhörung statt, und am 30. Oktober wurde eine schriftliche Entscheidung getroffen. Am 16. März 2021 wurde Clark zu 25 Jahren bis lebenslanger Haft verurteilt. Er hat offiziell Reue für seine Taten gezeigt. Devins‘ Mutter rief gemeinsam mit dem damaligen Kongressabgeordneten Anthony Brindisi zu verstärkten Maßnahmen gegen grafische Inhalte in sozialen Medien auf. Instagram versprach, bis August 2019 die Ergebnisse einer Prüfung zu teilen, die von Brindisi angefordert wurde, jedoch hatte er bis Dezember noch keine Resultate erhalten. Brindisi forderte die Federal Trade Commission auf, den Fall vollständig zu untersuchen. Am 21. September 2020 führten Brindisi und die Familie Devins das „Bianca-Gesetz“ ein. Bei Verabschiedung müssten soziale Medienplattformen mit mehr als 10 Millionen Dollar Umsatz und über 100.000 monatlichen Nutzern ein Büro zur Identifizierung und Entfernung gewalttätiger Inhalte einrichten, die gegen die Moderationsstandards der Plattform verstoßen. Marianne Buttenschon und Joseph Griffo brachten ein Gesetz ein, das straf- und zivilrechtliche Sanktionen für die Verbreitung von Bildern von Verbrechensopfern mit der Absicht der Verherrlichung oder Belästigung vorsieht. Im Januar 2022 verabschiedete die New Yorker Staatsversammlung eine Version von Biancas Gesetz, die das Posten, Teilen oder Veröffentlichen von persönlichen Bildern mit der Absicht der Erniedrigung oder des Missbrauchs unter bestimmten Umständen kriminalisiert. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete das Gesetz Ende Dezember 2022. Die Familie Devins richtete ein Stipendium in Biancas Namen für Studenten ein, die Psychologie studieren möchten. Anfang 2020 veranstalteten Biancas Freunde und Familie die „Bee Gala“, um ihr Leben zu feiern, ihre Kunstwerke zu präsentieren und Mittel für das Stipendium zu sammeln. Im Juli 2021 verklagte die Familie Devins das Bezirksstaatsanwaltsamt von Oneida und beschuldigte es der Verbreitung von Kinderpornografie. Sie hatten von Dokumentarfilmproduzenten erfahren, dass diese vom Staatsanwalt Filmmaterial von Devins‘ Tod sowie von ihr beim Sex und den Inhalt ihres Telefons, einschließlich Nacktfotos, erhalten hatten. Angeblich wurde ein YouTube-Blogger ebenfalls mit diesen Materialien nach einem FOIL-Antrag versorgt. Der Mord an Devins schlägt bis heute hohe Wellen, der nicht nur ein zweifelhaftes Licht auf die Sozialen Medien geworfen hat, sondern immer noch für Diskussionen und Kontroversen über die Verbreitung von Foto- und Filmmaterial von Verbrechensopfern sorgt.
