Brasiliens bekanntester Serienmörder und ein religiöser Fanatiker ist zweifelsohne Marcelo Costa de Andrade, der im Jahr 1991 vierzehn Jungen im Alter von 5 bis 13 Jahren in der Umgebung von Itaboraí, etwa 30 Kilometer von der Großstadt Niterói im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro vergewaltigte und ermordete, damit diese in den Himmel kämen. Manchmal trank Marcelo auch das Blut seiner Opfer, was ihn in den Medien den Namen „Der Vampir von Niterói“ einbrachte. Die grausame Mordserie schockierte das ganze Land und löste eine intensive Untersuchung sowie öffentliche Debatten über die Ursachen und Konsequenzen solcher brutaler Handlungen aus. Doch wer war dieses Monster? Marcelo erblickte am 2. Januar 1967 als Sohn von armen Einwanderern das Licht der Welt. Marcelos Kindheit war geprägt von Schwierigkeiten und Traumata, die seine späteren Taten möglicherweise beeinflussten. Er verbrachte den größten Teil seiner Kindheit in Rocinha, einer der größten Favelas in Rio de Janeiro, das an einem Hang mit Blick auf das Nobelviertel So Conrado und Brasiliens schönsten Stränden liegt. Rocinha gilt als das größte Armenviertel in Rio de Janeiro mit ungefähr 200.000 Einwohnern, in dem kriminelle Banden regieren und obdachlose Kinder plündernd durch die labyrinthartigen Gassen streifen. Auf diese wurde in den 1990er Jahren sogar von Bürgern Jagd gemacht, um das Viertel zu säubern. So fanden täglich 4 Hinrichtungen von Kindern statt. In diesem Armenviertel wuchs Marcelo auf, dessen Mutter, ein Dienstmädchen, von ihrem Ehemann regelmäßig misshandelt wurde. Um Marcelo vor dieser gewalttätigen Umgebung zu schützen, wurde er nach der Trennung seiner Eltern im Alter von 5 Jahren zunächst zu seinen Großeltern nach Ceará geschickt, wo er aber oftmals Schläge mit Gürteln oder anderen Gegenständen erhielt. Nach einer Weile musste er nach Rio de Janeiro zurückkehren, wo er von dem neuen Partner seiner Mutter nicht nur geschlagen, sondern seit seinem 10 Lebensjahr auch sexuell missbraucht wurde. Auch andere Verwandte vergingen sich sexuell an Marcelo. Eine Zeit lang besuchte Marcelo eine Jungenschule, wo er jedoch keine guten schulischen Leistungen erzielte und von seinen Mitschülern als „zurückgeblieben“ gehänselt wurde. Als er 14 Jahre alt war, wurde er aus der Schule geworfen, da diese nur Jungen im Alter von 6 bis 14 Jahren beherbergte. Nach dem Schulverweis begann Andrade, sich selbst zu prostituieren. Zwei Jahre später bandelte Marcelo mit einem älteren Mann namens Antônio Batista Freire an, mit dem er eine langjährige Beziehung führte und der ihn auch mit zur Universalkirche des Könifreich Gottes mitnahm. Trotzdem versuchte er im Alter von 17 Jahren seinen jüngeren 10 Jahre alten Bruder zu vergewaltigen, von denen er Tonbandaufnahmen besaß, auf denen dieser lautstark weinte, was Marcelo erregte. Nachdem Ende seiner Beziehung, startete Marcelo seine Mordserie, der wieder zu seiner Familie zurückkehrte. Marcelo verließ die Prostitution und begann stattdessen, formell zu arbeiten, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Er besuchte die Gottesdienste der umstrittenen Universalkirche des Königreich Gottes und sah täglich deren Fernsehsendungen. Der Gründer und Bischof dieser Kirche ist Edir Macedo, die er 1977 in Rio de Janeiro ins Leben rief und heute als einer der reichsten Unternehmer Brasiliens gilt. Die Kirche ist bekannt für ihre Dämonenaustreibungen, zu denen auch Homosexualität zählt sowie ihren Schutz vor bösen Geistern und Voodoo, an die in Brasilien viele Menschen glauben. Laut Marcelos Aussagen hörte er dort, dass Kinder nach ihrem Tod in den Himmel gelangen würden. Marcelo war überzeugt, dass er die Jungen durch ihre Tötung von ihrem elendingen Leben in den Slums erlösen und sie ins Paradies befördern würde. Marcelos Mordserie dauerte 9 Monate lang, die erst durch den 10 Jahre alten Altair Medeiros de Abreu ans Licht kam, da dieser Marcelo entfliehen konnte. Am 11. Dezember 1997 hatte Altair zusammen mit seinem 6 Jahre alten Bruder Ivan das Haus eines Nachbarn besucht, der ihnen Mittagessen versprochen hatte. Auf dem Weg trafen die beiden Brüder auf Marcelo, der ihnen 4000 Cruzeiros anbot, wenn sie ihm bei einem katholischen Ritual helfen würden. Er führte die Jungen zu einem abgelegenen Strand, wo er Ivan erdrosselte und danach sexuell missbrauchte. Altair war starr vor Angst, der sich Marcelos Befehlen fügte und ihn weiter begleitete, bis er schließlich am nächsten Tag als Marcelo Flyer auf der Copacabana verteilte, fliehen konnte. Altair offenbarte zunächst nicht, dass sein Bruder getötet wurde, sondern erzählte den Ermittlern erst am nächsten Tag davon. Marcelo versuchte nicht, Altair zu finden oder Ivans Leiche zu verstecken; stattdessen kehrte er zum Tatort zurück, um die Position des Körpers zu verändern. Die Polizei entdeckte die Leiche Stunden später. Die anschließende Autopsie ergab, dass Ivan sexuell missbraucht worden war. Altair führte die Ermittler zu Marcelo, der sofort gestand und keinerlei Reue zeigte. Bei den Vernehmungen gestand Marcelo, dreizehn weitere Jungen vergewaltigt und ermordet zu haben. Nachdem Marcelo die Jungen sexuell missbraucht und ermordet hatte, schändete er ihre Leichen erneut, bevor er sie in flachen Gräbern verscharrte. Er schilderte detailliert, wie er zunächst den 11-jährigen Odair José Muniz dos Santos im Juni 1991 ansprach, indem er ihm Geld für den Besuch einer imaginären Tante versprach. Er führte den Jungen zu einem Fußballplatz, wo er versuchte, ihn sexuell zu missbrauchen und ihn anschließend erdrosselte, als dies nicht gelang. Laut eigenen Aussagen stellte Marcelo sicher, dass die Seele des Jungen in den Himmel ging, indem er ihn erneut erwürgte. Kurz darauf kehrte Marcelo zum Essen nach Hause zurück und kam später zum Tatort zurück, wo er den Jungen enthauptete. Seine erste Tat vollzog er allerdings schon im April 1991, als er einen Jungen sah, der Süßigkeiten auf der Straße verkaufte. Er nutzte dieselbe Geschichte von Geld und religiösen Ritualen, um den Jungen zu einem abgelegenen Ort zu locken, ihn zu missbrauchen und zu töten. Seitdem konnte er sich nicht mehr von weiteren Morden zurückhalten. Bei seinem zweiten Mord an dem 11-jährigen Anderson Gomes Goulart verwendete er einen Stein, um das Opfer am Kopf zu treffen und so dessen Blut in einer Schüssel zu sammeln, von der er später trank. Er glaubte, dadurch genauso schön zu werden wie der getötete Junge. Oftmals nahm er als Trophäe die Shorts mit. Marcelo Costa de Andrade wurde schließlich am 26. April 1993 für geisteskrank erklärt und in die Klinik Heitor Carrilho eingewiesen, der seitdem jährlich begutachtet und immer für unzurechnungsfähig erklärt wurde. Marcelo fristet seitdem dort sein Dasein, der immer noch davon überzeugt ist, dass er nichts Falsches getan hat, da er das Ausmaß seiner Taten nicht begreift. Die tragischen Ereignisse werfen bis heute viele Fragen über die sozialen und psychologischen Faktoren auf, die zur Entstehung solcher Grausamkeiten beitragen.
