Ein bis heute ungelöstes Rätsel, das im Buch „Die größten Kriminalfälle der Welt“ verewigt wurde, ist das mysteriöse Verschwinden der Linda Sturley im Juli 1982 in der englischen Stadt Biggin Hill. Linda war zum Zeitpunkt ihres Verschwindens 29 Jahre alt und mit ihrem dritten Kind im 6. Monat schwanger. Sie war seit einigen Jahren mit Graham Sturley verheiratet. Beide hatten das, was viele als eine „stürmische Beziehung“ bezeichnen würden – eine Beziehung, die von häufigen Streitigkeiten und gelegentlich körperlicher Gewalt geprägt war. Als Graham jedoch die Untreue seiner schwangeren Frau entdeckte, verschwand Linda spurlos. Konnte dies ein Zufall sein? Graham behauptete jedoch, dass Linda weggelaufen sei, und erst durch das beharrliche Bestehen von Lindas Familie begann über ein Jahr später eine polizeiliche Untersuchung. Die Ermittler waren fest entschlossen herauszufinden, was mit Linda Sturley geschehen war. Graham hatte Linda Holland, wie sie damals hieß, kurz nach seiner Entlassung aus einer einjährigen Haftstrafe wegen des Verkaufs gestohlener Waren, während seiner Tätigkeit als Ladenbesitzer kennengelernt. Graham hatte viele Berufe innegehabt, darunter Privatdetektiv, Taxifahrer und zur Zeit des Verschwindens seiner Frau bezeichnete er sich als Immobilienmakler. Als Taxifahrer lernte er Linda kennen, die wesentlich jünger als er war. Sie heirateten bald darauf und ließen sich in einem gepflegten Vorstadthaus an der Main Road in Biggin Hill nieder. Bereits kurz nach der Hochzeit hatten beide Affären. Sie stritten sich oft und manchmal kam es auch zu körperlicher Gewalt. Trotz dieser Schwierigkeiten bekamen sie einen Sohn namens Wayne und eine Tochter namens Sharon, die sie beide über alles liebten. Zwar war Linda und Grahams Ehe turbulent, doch Graham verstand sich gut mit Lindas Familie. Zum fast endgültigen Aus der Ehe kam es als Graham durch seine Detektivfähigkeiten herausfand, dass Linda plante, ihn für einen anderen Mann zu verlassen. Er hatte tatsächlich sein eignes Telefon abgehört und alle Gespräche zwischen Linda und ihrem Liebhaber aufgezeichnet. Dennoch versöhnten sie sich. Doch die Streitereien und Kämpfe begannen bald von Neuem. Die 29-jährige Linda arbeitete als Verkaufsvertreterin für Avon Cosmetics und war im sechsten Monat schwanger, als sie verschwand. In dem Monat ihres Verschwindens erinnerte sich ihre Schwester an ein Telefonat mit ihr. Sie erzählte der Polizei später, dass Linda sagte, Graham habe sie ins Gesicht geschlagen, ihre Lippe aufgerissen und sie in den Bauch geschlagen, weil er glaubte, dass das Kind nicht von ihm stamme, sondern von Lindas Liebhaber. Am 28. Juli 1981 rief Lindas Schwester im Haus der Sturleys an, um mit ihr zu sprechen. Graham antwortete vage, sie sei weggegangen. Ihre Familie glaubte ihm, weil sie aufgrund des Zustands ihrer Ehe keinen Grund hatten, an seinen Worten zu zweifeln. Sie gingen davon aus, dass sie sich bald melden würde, da ihre Kinder bei Graham geblieben waren. Nachdem Linda verschwunden war, erzählte Graham der 6-jährigen Sharon und dem 4-jährigen Wayne, dass ihre Mutter fort sei und nicht zurückkäme. Seit Lindas Verschwinden, setzte Graham sein Leben unverändert fort. Doch die Polizei entdeckte später, dass jemand Lindas Unterschrift gefälscht hatte und alles von ihrem Sparkonto abgehoben sowie ihre Schecks für Mutterschaftsleistungen eingelöst hatte. Ein Jahr später, im Juli 1982, entschloss sich Lindas Familie schließlich, die Polizei einzuschalten. Ihre Mutter, Ada Webb, ging zur Polizei und überzeugte sie, Graham wegen des mysteriösen Verschwindens ihrer Tochter zu befragen. Die Familie sagte der Polizei, dass Linda ihre Kinder liebte und sie niemals freiwillig verlassen hätte. Die Untersuchung wurde von Detective Chief Superintendent Algernon Hemmingway und Detective Chief Inspector George Cressy geleitet. Aufgrund des einjährigen Zeitverzugs war die Untersuchung jedoch erheblich im Nachteil. Am 17. August 1982 erschien die Polizei im Haus der Sturleys, um den 38-jährigen Graham nach dem Verbleib seiner Frau zu befragen. Im Verhör gab er an, sie sei durchgebrannt, und er wisse nicht, wann oder ob sie je zurückkehren würde. Aufgrund von Grahams Gesundheitsproblemen musste die Polizei ihn behutsam verhören, da er an einer Herzkrankheit litt. Graham erzählte der Polizei von den Affären seiner Frau und dass er froh war, sie los zu sein. Unter weiterem Druck gab er zu, sie ins Gesicht geschlagen und ihre Lippe aufgerissen zu haben, bestritt jedoch, sie in den Bauch geschlagen zu haben. Nach Gesprächen mit den Nachbarn erfuhren die Ermittler, dass Graham kurz nach Lindas Verschwinden all ihre Kleidung in einem großen Feuer verbrannt hatte. Die Polizei versuchte weiterhin, Linda zu finden, und erkundigte sich bei ihrem Arzt, der ihnen mitteilte, dass ihre Schwangerschaft einen Kaiserschnitt erfordern würde. Daraufhin prüften sie alle Entbindungs- und Krankenhäuser in Großbritannien, fanden jedoch keine Aufzeichnungen über jemanden, der Lindas Beschreibung entsprach. Graham bestritt in weiteren polizeilichen Befragungen jegliches Fehlverhalten und hielt an seiner Geschichte fest, dass seine untreue Frau einfach durchgebrannt war. Er sagte: „Sie ist schon so oft vor mir weggerannt, dass ich sie nicht als vermisst gemeldet habe… Ich bin froh, dass sie weg ist, ich will sie nie wiedersehen“. Die Polizei begann schließlich das Haus der Sturleys nach Beweisen für Lindas Leiche zu durchsuchen. Die Dielen im Wohnzimmer wurden entfernt, und das Mauerwerk wurde auf versteckte Objekte überprüft. Die Polizei suchte nach Blutspuren und ging davon aus, dass der Körper im Haus zerstückelt und anderswo begraben worden war. Sie brachten Infrarot- und Wärmesuchgeräte mit, um im Haus sowie in den Vorder- und Hintergärten zu suchen. Doch ohne Erfolg, weshalb sie ihre Suche auf die umliegenden Wälder erweiterten und Spürhunde einsetzten, während örtliche Seen, Teiche und Bäche nach Beweisen durchsucht wurden. Dann, 30 Meilen entfernt, entdeckte jemand die Knochen einer Frau. Forensische Teams untersuchten sie, stellten jedoch fest, dass es nicht Linda war. Nach einer dreimonatigen Untersuchung war die Polizei zuversichtlich, genügend Beweise zu haben, um Graham Sturley des Mordes an Linda Sturley anzuklagen. Während die Ermittler begannen, ihre Beweisführung zusammenzustellen, starb Graham Sturley an einem Herzinfarkt. Die Morduntersuchung wurde eingestellt, und Sturleys Anwalt bestätigte, dass sein Mandant ein Testament hinterlassen hatte, das seine Vermögenswerte regelte. Es gab jedoch kein Geständnis, und er gestand nie, etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben. In einer letzten kryptischen Nachricht hinterließ jemand einen Kranz auf Graham Sturleys Sarg, auf dem stand: „Nun, das wäre geklärt Sturley. In Liebe.“ Was hatte es mit dieser Botschaft auf sich, stammte sie womöglich von Linda selbst oder ihrem Mörder? Was mit Linda Sturley tatsächlich passiert ist, steht in den Sternen. Vielleicht wird dieses Rätsel irgendwann doch noch gelöst.
