In der pulsierenden Metropole London trieb Ende der 1990er Jahre ein Serienvergewaltiger sein Unwesen, der in seinem schwarzes Frauen betäubte, um diese dann zu vergewaltigen. Dieser Sexualstraftäter wurde deshalb in den Medien als „The Black Cab Rapist“ bezeichnet, der sich als John Worboys entpuppte, der laut der Polizei mehr als 100 Frauen auf seinem Gewissen haben soll. John Worboys erblickte 1957 in der englischen Stadt Enfield das Licht der Welt, der später diverse Gelegenheitsjobs hatte und ab 1987 sogar als Stripper unter dem Namen „Terry the Minder“ buchbar war. Darüber hinaus drehte John unter dem Pseudonym „Tony“ oder „Paul“ Pornofilme, bei denen er selbst mitspielte. Anno 1991 schloss er mit Kate Santos den Bund fürs Leben. Doch die Ehe hielt nur vier Jahre, da John sich nicht nur an Kates Tochter sexuell missbraucht haben soll, sondern auch an anderen Frauen. Im Jahr 1996 bestand er die Taxifahrerprüfung „The Knowledge“. Seitdem konnte er in London als Taxifahrer tätig sein. Kurz danach begannen Johns kriminelle Aktivitäten. Sein Wirkungsfeld konzentrierte sich hauptsächlich auf die Londoner Bezirke Westminster, Chelsea und Kensington. Als vertrauenswürdiger Fahrer eines schwarzen Taxis tarnte er sich und nutzte das Vertrauen seiner Fahrgäste aus, insbesondere in den späten Nachtstunden. John machte sein Taxi zu einem Jagdrevier für ahnungslose Opfer. Sein kriminelles Schema war hinterhältig und sorgfältig geplant. Nachdem er spät nachts Frauen in seinem Taxi aufnahm, erzählte er ihnen, er habe einen großen Geldbetrag gewonnen, meist im Lotto oder im Casino. Zur Untermauerung seiner Lüge zeigte er ihnen eine Tasche voller Geld und bot ihnen ein Glas Sekt an, das er mit Beruhigungsmitteln versetzt hatte. Wenn die Drogen wirkten, verging er sich an den Frauen, die oft wenig Erinnerung an das Geschehene hatten. Denn diese Drogen bewirkten Schläfrigkeit und Gedächtnisverlust, wodurch die Opfer dem Angriff ausgeliefert und ohne klare Erinnerung an die Ereignisse zurückgelassen wurden. Die heimtückische Natur von Johns Verbrechen ermöglichte es ihm, lange Zeit unentdeckt zu bleiben. Doch mit der Zunahme der gemeldeten Übergriffe wuchsen die Bedenken bei der Metropolitan Police. Die Behörden standen vor der Herausforderung, scheinbar zusammenhanglose Vorfälle miteinander zu verbinden und einen gemeinsamen Täter zu identifizieren. Die Untersuchung nahm im Jahr 2007 Fahrt auf, als mehrere Opfer mit ihren erschütternden Erfahrungen an die Öffentlichkeit traten und wichtige Informationen über die Vorgehensweise des „schwarzen Taxi-Vergewaltigers“ lieferten. Die Ermittler der Metropolitan Police riefen die Operation Rumble ins Leben, eine spezielle Taskforce mit dem Ziel, den Serienvergewaltiger zu fassen und seinem Terror ein Ende zu setzen. Die Ermittlungen stießen auf erhebliche Hürden, darunter die Schwierigkeit, forensische Spuren zu sichern, da die Opfer betäubt waren. Doch durch die Beharrlichkeit und Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden sowie den Mut der Opfer gelang es, nicht nur John Worboys als Sexualstraftäter zu identifizieren, sondern auch eine Anklage gegen ihn aufzubauen. Am 16. Februar 2008 wurde John Worboys festgenommen und wegen mehrfacher sexueller Übergriffe und Drogenverabreichung angeklagt. Die Beweislage im Prozess zeichnete ein erschreckendes Bild vom Umfang seiner Verbrechen. So wurde nach einer gründlichen Untersuchung seines Fahrzeugs und seiner Wohnung eine Art „Vergewaltigungsausrüstung“ gefunden, die kleine Champagnerflaschen, Handschuhe, Kondome und Schlaftabletten enthielt. Das Gericht hörte Zeugenaussagen zahlreicher Opfer, die seiner berechnenden Strategie zum Opfer gefallen waren. Im März 2009 wurde John Worboys vor dem Croydon Crown Court der Prozess gemacht, wobei ihm Anklagen im Zusammenhang mit den Übergriffen auf 12 Frauen zur Last gelegt wurden. Die Jury befand ihn wegen 19 Straftaten, darunter Vergewaltigung, sexueller Übergriff und Verabreichung einer Substanz mit der Absicht, eine sexuelle Straftat zu begehen, für schuldig. John Worboys erhielt eine unbestimmte Freiheitsstrafe mit einer Mindestdauer von acht Jahren, bevor er für eine Bewährung in Betracht gezogen werden konnte. Sein Fall führte zu einer umfassenderen Überprüfung der Regulierung und Aufsicht der Taxiindustrie, was zu Reformen zur Verbesserung der Passagiersicherheit führte. Die schockierenden Enthüllungen über Worboys’ Verbrechen warfen Fragen darüber auf, wie ein so produktiver Straftäter so lange unbehelligt operieren konnte. 2018 löste die Entscheidung des Bewährungsausschusses, Worboys nach nur neun Jahren Haft freizulassen, öffentliche Empörung und rechtliche Herausforderungen aus. Schließlich wurde die Entscheidung aufgehoben, und Worboys blieb im Gefängnis, um eine längere Strafe zu verbüßen und die Sicherheit der Öffentlichkeit zu gewährleisten. Im Jahr 2019 folgten weitere Verurteilungen für Angriffe auf vier Frauen für die er zwei lebenslange Freiheitsstrafen erhielt, mit einer Mindestverbüßungsdauer von 6 Jahren. Der Fall John Worboys unterstreicht die Bedeutung von robusten Ermittlungsanstrengungen, der Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden und dem Mut der Opfer, Gerechtigkeit zu suchen. Die Schrecken von Worboys‘ Terror haben einen dunklen Fleck auf die Geschichte des Londoner Taxi-Dienstes hinterlassen, aber die Reaktion auf seine Verbrechen zeigte auch das Engagement der Gesellschaft, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und Maßnahmen zu ergreifen, um solche Schrecken in Zukunft zu verhindern. Die Geschichte von John Worboys ist eine Mahnung an die Gefahr, wenn Vertrauen ausgenutzt wird, aber auch ein Beweis für die Stärke und Widerstandsfähigkeit derjenigen, die die Wahrheit ans Licht bringen wollen. John Worboys hinterließ zweifelsohne tiefe Wunden bei seinen Opfern, doch sein Fall stärkte letztlich die Bemühungen, die Rechenschaftspflicht in der Strafverfolgung zu verbessern und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
