Seit Menschengedenken gilt die Folter als beliebte Methode, um Personen so lange zu quälen, bis diese Informationen preisgeben. Besonders populär ist die Folter bei kriminellen Organisationen, um deren Rivalen und Angehörige körperliche und seelische Schmerzen zuzufügen. Eine dieser Verbrecherorganisation, die sogar einen Foltercontainer einrichteten, war eine niederländische Drogenbande. Der Anführer der Bande war Roger P. besser bekannt als Costa Piet, der wegen Kokainschmuggels zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war. Dieser veranlasste den Bau von einer Art Unterweltgefängnis, nachdem ihm mehrere Millionen Euro gestohlen worden waren. Alles kam ans Licht, nachdem die Sicherheitsbehörden den Messaging-Dienst EncroChat gehackt hatten, über den sich die Bandenmitglieder über geplante Entführungen und Folterungen ausgetauscht hatten. Nachdem die Ermittler den verschlüsselten Chat geknackt hatten, folgte eine Razzia am 22. Juni 2020 im 1.200 Seelen-Dorf Wouwse Plantage in der niederländischen Provinz Brabant. Brabant ist das Mekka des Drogenhandels in den Niederlanden, wo nicht nur Ecstasy und Speed hergestellt werden, sondern im großen Stil mit Kokain gehandelt wird. In einer Lagerhalle ließ Roger P. sieben Schiffscontainer umbauen, von denen 6 als Gefängniszellen dienten, die mit WC sowie Handschellen am Boden und an der Decke ausgestattet waren. Doch einer dieser Container wurde als Folterkammer eingerichtet, die selbst den hartgesottensten Ermittlern einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Denn darin befand sich ein umgebauter Zahnarztstuhl mit Gurten und Fesseln für die Arme und Beine. Der Raum war wie alle Container schallisoliert und mit Kameras ausgestattet. Im Raum befanden sich unzählige Zangen, Fingerklammern, Gartenscheren, Gasbrenner, Kabelbinder, Isolierbänder und chirurgische Instrumente, mit denen die Opfer gefoltert werden sollten. Außerdem wurde bei der Razzia eine Truhe, ein Gefrierschrank, der groß genug für mehrere Personen war und ein Mörtelmischbehälter beschlagnahmt, der vermutlich zum Waterboarding verwendet werden sollte. Bei dieser Foltermethode handelt es sich um stimuliertes Ertrinken, in dem der Peiniger seinem Opfer ein Tuch über das Gesicht legt und Wasser über dessen Mund und Nase gießt, was einen Würgereiz beim Opfer auslöst, der Schmerzen und Lungenschäden verursachen kann. Durch den Sauerstoffmangel können Hirnschäden und andere physische Verletzungen hervorgerufen werden. Die Drogenbande hatte alles sorgfältig geplant. Die Opfer wurden durch ihre Mitglieder beobachtet, die dann entführt werden sollten. Dazu wollte sich die Bande als Sonderkommando der Polizei ausgeben. Daraufhin deuteten die bei der Razzia gefundenen Polizeiuniformen, Stoppschilder, Blaulichter, kugelsichere Westen und eine Vielzahl an Waffen. Über die gehackte Kryptokommunikation flog jedoch alles auf. Insgesamt wurden 11 Männer in Amsterdam angeklagt, die nachweislich durch Nachrichten wie „Wir brauchen genügend Gürtel und Kabelbinder, um sie zu fesseln“ oder „Wir brauchen Zangen für die Finger und Zehen“, ihre kriminellen Feinde und deren Angehörige entführen, erpressen und foltern wollten. Angeblich war das Ziel die Drogenbande des marokkanisch-niederländischen Drogenbosses Ridouan Taghi, mit der diese einen blutigen Bandenkrieg hatten. Roger P. wurde zu weiteren 33 Monaten Gefängnis verurteilt, seine rechte Hand, der 41 Jahre alte Robin van O. wurde zu acht Jahren Haft verurteilt, der mittlerweile an Krebs verstorben ist, weitere 9 Männer erhielten ebenfalls Haftstrafen, wohingegen ein Mann freigesprochen wurde. Der Bau des Unterweltgefängnisses mit der Horrorfolterkammer sorgte weltweit für Schlagzeilen, der als neue Dimension des Verbrechens gilt.
