Einer der gefährlichsten Verbrecher Großbritanniens, der zugleich auch der am längsten inhaftierte Häftling ist, ist Robert John Maudsley, besser bekannt als „Hannibal der Kannibale“. Diesen Namen erhielt er von den Medien, nachdem er am selben Tag zwei Männer tötete und deren Gehirne aß. Doch wer war dieser Kannibale, der später wie Hannibal Lecter aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ sein Dasein in einem „Glaskäfig“ fristen musste? Robert John Maudsley wurde am 26. Juni 1953 als viertes von zwölf Kindern in einer armen Familie in Liverpool geboren. Aufgrund elterlicher Vernachlässigung wurden er und drei seiner Geschwister in das von Nonnen betriebene katholische Waisenhaus „Nazareth House“ in Crosby gebracht, wo er 6 Jahre lang blieb, bis ihn seine Eltern wie auch seine Geschwister wieder nach Hause holten. Doch entgegen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verschlechterte sich die Situation drastisch. Inzwischen hatten Roberts Eltern insgesamt 12 Kinder gezeugt. Das Geld war knapp und die Nerven von Roberts Vater, einem LKW-Fahrer lagen oft blank. Dieser misshandelte seine Kinder regelmäßig auf grausame Weise. Robert traf es besonders hart, der vergewaltigt und körperlich von seinem Vater gezüchtigt wurde. Die körperliche Misshandlung gipfelte soweit, dass dieser 6 Monate lang in ein Zimmer gesperrt wurde, wo er 4-6 Mal täglich von seinem Vater verprügelt wurde. Diese Misshandlungen hinterließen tiefe seelische Narben und trugen zur Entwicklung schwerer psychischer Probleme bei. Nachdem Robert vom Jugendamt in Obhut genommen worden war, wurde er in verschiedene Pflegefamilien untergebracht. Mit 16 Jahren suchte Maudsley Zuflucht in London. Dort begann eine traurige Spirale aus Drogenabhängigkeit und wiederholten Selbstmordversuchen, die ihn immer wieder in psychiatrische Krankenhäuser brachten. Während seiner Aufenthalte in den Krankenhäusern berichtete Maudsley den Ärzten von den Stimmen in seinem Kopf, die ihm befahlen, seine Eltern zu töten. Um seine Drogensucht zu finanzieren, bot er sich als „rent boy“ an, was zu einem tiefen Hass auf Pädophile führte. Es war der 14. März 1974 als Maudsley vom Bauarbeiter John Farrell angesprochen wurde, der ihn mit in seine Wohnung nahm, um dort Sex mit ihm zu haben. Als Farrell jedoch Maudsley Fotos von einem Mädchen zeigte, dass er missbraucht hatte, sah Maudsley Rot, der Farrell langsam erdrosselte. Maudsley genoss es, wie sich Farrells Gesicht blau färbte, ehe er ihm einen Hammer auf den Kopf schlug. Die Brutalität dieses Verbrechens war so extrem, dass Farrell danach kaum noch als Mensch zu erkennen war. Maudsley wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und aufgrund der Grausamkeit der Tat in die Hochsicherheitsanstalt Broadmoor Hospital für psychisch gestörte Kriminelle überführt, wo er 3 Jahre verbrachte. Doch am 26. Februar 1977 beging Maudsley dort seinen weiteren Mord. Zusammen mit dem Mithäftling David Cheeseman lockten sie David Francis, einen weiteren Patienten in eine Zelle, deren Tür sie verbarrikadierten. Danach fesselten sie ihn mit dem Kabel eines Plattenspielers. Der 26 Jahre alte Francis wurde verdächtig, Kinder missbraucht zu haben, weshalb sich Maudsley und Cheeseman an ihm rächen wollten. Sie folterten ihn fast 10 Stunden lang zu Tode, während die Gefängnisbeamten alles mit anhören mussten, ohne eingreifen zu können. Eine spätere Untersuchung ergab, dass die Behauptung, Maudsley habe das Gehirn seines Opfers gegessen, unbegründet war. Dennoch erhielt er den Spitznamen „Hannibal der Kannibale“. Nachdem Mord wurde Maudsley wegen Totschlags verurteilt und ins Wakefield-Gefängnis in West Yorkshire verlegt, das als „Monster Mansion“ bekannt war. Dort eilte Maudsley der Ruf als „Gehirnfresser“ voraus, weshalb ihn seine Mitinsassen mieden. Maudsley war wenig begeistert von seinem neuen Zuhause, weshalb er eine Verlegung zurück ins Broadmoor beantragte, die abgelehnt wurde. Kurz darauf beging er am Nachmittag des 28. Juli 1978 seinen nächsten Mord. In einem beispiellosen Akt der Gewalt lockte er den 46 Jahre alten Mithäftling Salney Darwood in seine Zelle, wo er ihn zunächst würgte und dann seine Kehle durchschnitt. Die Leiche versteckte er unter seinem Bett. Danach schlich er sich in die Zelle des 56 Jahre alten Häftlings Bill Roberts, hackte ihm den Schädel auf und schlug seinen Kopf mehrfach gegen die Zellenwand. Anschließend gestand er diese Taten einem Vollzugsbeamten. Als die Beamten die Leichen fanden, entdeckten sie angeblich Löffel, die aus den Schädeln ragten. Maudsley hatte damit die Gehirne ausgelöffelt. Während des Prozesses 1979 wurde bekannt, dass er während seiner Morde immer glaubte, dass die Opfer seine Eltern wären. Maudsley wurde wegen Doppelmordes verurteilt, der nun im Wakefield-Gefängnis in Einzelhaft kam. Einen Teil seiner Haft verbrachte er in Parkhurst auf der Isle of Wight, wo er den Psychiater Dr. Bob Johnson kennen lernte, der jedoch nach 3 Jahren die Behandlung abrupt beendete. Aufgrund seiner extrem gefährlichen Natur wurde Robert Maudsley wieder ins Wakefield-Gefängnis zurück verlegt, wo er in eine speziell angefertigte Zelle im Keller des Gefängnisses untergebracht wurde, da er als einer der gefährlichsten Gefangenen gilt. Die 5,5 x 4,5 Meter große Zelle mit kugelsicheren Fenstern und massiver Stahltür bestand aus zwei zusammengelegten Zellen, die mit Panzerglas ausgekleidet sind, um ihn ständig beobachten zu können. Sein Essen und andere Gegenstände wurden ihm durch eine speziell gesicherte Schleuse gereicht. Die Möbel bestanden aus Pressspan. Nur eine Stunde am Tag durfte er die Zelle verlassen, begleitet von sechs Vollzugsbeamten, um einen streng überwachten Gang abzulaufen. Jeglicher Kontakt mit anderen Gefangenen wurde ihm untersagt. Nach 23 Jahren in Einzelhaft sorgte Maudsley im Jahr 2000 für mediales Aufsehen, als er eine Reihe von Briefen an die London Times schrieb. In diesen Briefen beklagte er sich über seine Haftbedingungen und bat um CDs mit klassischer Musik, ein Fernsehgerät, Bilder, Körperpflegeartikel sowie einen Wellensittich. Alternativ forderte er, falls all dies nicht möglich sei, eine Zyankalikapsel, um Suizid begehen zu können. Am 15. Mai 2017 war Maudsley, der am längsten inhaftierte Gefangene Großbritanniens. Mit 45 Jahren in Isolationshaft übertraf er die 43 Jahre des Amerikaners Albert Woodfox, der 2022 verstorben war. Diese lange Zeit in Einzelhaft zeigt die immense Gefahr, die Maudsley für seine Umgebung darstellte. Im Jahr 2025 wurde Robert Maudsley schließlich in das Whitemoor-Gefängnis verlegt. Trotz dieser Verlegung blieb er weiterhin in strengster Isolation, fernab von anderen Insassen. Sein Leben im „Glaskäfig“, abgeschnitten von jeglichem menschlichen Kontakt, ist ein Zeugnis der Härte des britischen Justizsystems gegenüber besonders gefährlichen Straftätern. Die Geschichte von Robert John Maudsley wirft viele Fragen auf. Wie konnte ein kleines Kind, das einst in einem Waisenhaus Zuflucht suchte, zu einem der gefürchtetsten Serienmörder Großbritanniens werden? Die Antwort liegt möglicherweise in einer Kombination aus genetischen Faktoren, schweren Kindheitstraumata und psychischen Störungen. Obwohl er für seine Taten verantwortlich gemacht wurde, bleibt die Frage bestehen, inwieweit die Gesellschaft und seine Familie zu seiner Entwicklung beitrugen. Maudsleys Leben und Verbrechen bieten eine schaurige, aber faszinierende Perspektive auf die dunklen Tiefen des menschlichen Geistes. Die Unfähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, gepaart mit einem extremen Hass auf bestimmte Gruppen von Menschen, führte dazu, dass er zu einem der berüchtigtsten Mörder im britischen Strafvollzug wurde. Heute steht Robert John Maudsley als Symbol für die extremen Maßnahmen, die erforderlich sind, um besonders gefährliche Individuen von der restlichen Gesellschaft fernzuhalten. Sein Leben in totaler Isolation mag unmenschlich erscheinen, doch angesichts der Brutalität seiner Taten scheint es die einzige Möglichkeit zu sein, ihn davon abzuhalten, erneut zu töten. Maudsleys Geschichte erinnert uns daran, dass die Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn oft fließend sind und dass die Ursachen von Gewalt tief im Inneren eines Menschen verborgen liegen können. Sie wirft auch ethische Fragen auf über die Behandlung von Gefangenen, insbesondere solcher, die als extrem gefährlich gelten. Während viele die strenge Isolation als notwendig erachten, könnte man auch diskutieren, ob es humanere Wege gibt, mit solchen Individuen umzugehen. Eines ist sicher: Die Geschichte von Robert John Maudsley wird noch lange in Erinnerung bleiben, ein düsteres Kapitel in der Welt des True Crime, das uns daran erinnert, wie dünn der Faden ist, der uns von den Abgründen des Wahnsinns trennt.
