In den idyllischen Landschaften von Shasta County im US-Bundesstaat Kalifornien trieb zwischen 1985 bis 1987 ein Serienmörder sein Unwesen, der drei Frauen brutal ermordete. Der Serienkiller war Robert Edward Maury aka der Tipster-Killer. Diesen Namen erhielt Robert, weil er nach jedem Mord anonym eine Hotline für geheime Zeugen anrief, um den Ermittlern entscheidende, aber auch teilweise irreführende Informationen über die Fundorte der Leichen zu liefern. Sein Motiv war es nicht nur die Behörden zu verwirren, sondern auch das Belohnungsgeld zu kassieren. Doch wer ist der Mann, der bis heute sein Dasein im Todestrakt des Staatsgefängnisses von San Quentin fristet, um auf seine Hinrichtung zu warten? Robert Edward Maury wurde am 24. Februar 1958 in Crescent City im Bundesstaat Kalifornien geboren. Maurys frühe Jahre waren geprägt von Instabilität und angeblichem Missbrauch. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Anderson, wo er unter dem strengen Regime seines gewalttätigen Vaters aufwuchs. Nach dem Abschluss der High School trat er in die Armee ein, wurde jedoch 1985 unehrenhaft entlassen, nachdem er mit Marihuana erwischt worden war. Anschließend ließ er sich in Cottonwood nieder und arbeitete sporadisch als Landschaftsgärtner, Trockenblumengestalter, auf einem Golfplatz und als Dealer für Marihuana. Die unheilvolle Saga begann im späten Mai 1985, als die 48-jährige Averill Deanna Weeden, Maurys Vermieterin, spurlos verschwand. Zunächst bestritt Maury jede Beteiligung, als die Polizei ihn befragte. Doch am 19. Juni erfolgte ein anonymer Anruf bei der Hotline des geheimen Zeugenprogramms im Shasta County, bei dem der männliche Anrufer vage Hinweise auf den Aufenthaltsort der vermissten Averill Deanna Weeden machte und explizit nach einer Belohnung fragte. Die Hotline des geheimen Zeugenprogramms im Shasta County war von einer privaten Organisation gegründet worden, um die Polizei bei der Aufklärung von Straftaten zu unterstützen. Auf einem Flyer versprach die Einrichtung nicht nur eine Belohnung für wichtige Hinweise und Informationen, die zur Lösung des Verbrechens beitrugen, sondern sie versicherte den Zeugen, dass sie bei Anrufen absolut anonym bleiben könnten. Erst am 8. August nach einem Austausch mit der Telefonistin ,Shirley Landreth, die die Anrufe entgegennahm, übermittelte der Anrufer präzise Anweisungen zur Fundstelle von Weedens Leiche in einem Waldstück bei Redding. Tatsächlich wurde Weedens Leiche in einem Waldstück entlang der Bechelli Lane in Redding teilweise vergraben und in Pappe gewickelt gefunden. Die Autopsie ergab, dass Weedens Leiche Schädelbrüche und einen Halswirbelbruch aufwies. Dies deutete daraufhin, dass Weeden erwürgt worden war. Obwohl der anonyme Tippgeber andeutete, dass der Name des Mörders Robert oder Bob sein könnte, blieb Maury zunächst auf freiem Fuß. Ein knappes Jahr später rief Maury die Hotline erneut wegen eines Einbruchs an. Doch diesmal nannte Maury seinen Namen. Die Telefonistin war wieder Shirley Landreth, die sofort dachte, als sie Maurys Stimme hörte, dass dieser dieselbe Person sei, die im Jahr zuvor wegen des Weeden-Mordes angerufen hatte. Ein weiteres Jahr strich ins Land, bis der Tipster-Killer wieder zuschlug. Am 29. Juni 1987 war die 30-jährige Belinda Jo Stark nicht zu einer Gerichtsverhandlung in Nevada City erschienen. Ihr Freund Gary Evans hatte Belinda zunächst nicht als vermisst gemeldet, da sie manchmal einfach für ein paar Tage untertauchte. Doch am 8. August meldete ein anonymer Anrufer eine Entdeckung einer Leiche, forderte jedoch die Belohnung für ihre genaue Lokalisierung. Neun Tage später meldete sich der anonymer Anrufer erneut, der die Leiche als eine Frau namens Gretchen Olston identifizierte. Die Leiche wurde in einer Graslandschaft unweit der Palm Avenue gefunden. Diese wurde später aber anhand ihrer Tätowierungen als die vermisste Belinda Jo Stark identifiziert. Die Entdeckung von Dawn Marie Berryhills Leiche am 22. September 1987 intensivierte die Ermittlungen. Sie war zuletzt am 22. Juni gesehen worden, bevor sie spurlos verschwand. Aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung konnte ihre Identität nur durch Zahnabdrücke bestätigt werden. Auch hier deutete ein anonymer Hinweis auf Maurys Verwicklung hin. Die Nähe der Fundorte von Stark und Berryhill und die Tatsache, dass beide Frauen stranguliert worden waren, ließ darauf schließen, dass dieselbe Person für beide Morde verantwortlich war. Als Maury das Kopfgeld abholte, wurde er von der Polizei fotografiert. Er geriet im September 1987 ins Visier der Ermittler, nachdem festgestellt wurde, dass er insgesamt 2.000 Dollar Belohnung erhalten hatte, mit denen er unter anderem ein Motorrad der Marke Honda kaufte. Der verdeckt arbeitende Feuerwehrmann Roy Del Carlo, der sich als Vorstandsvorsitzender der geheimen Zeugenorganisation ausgab, traf Maury mehrmals und zeichnete die Gespräche mit ihm auf. Die Gespräche ergaben auffällige Ähnlichkeiten zwischen seiner Stimme und der des anonymen Anrufers. Fingerabdrücke von Maury wurden sowohl auf einem Umschlag mit dem Belohnungsgeld als auch in Starks Handtasche gefunden, was die Polizei weiter in ihrer Vermutung bestärkte. Am 7. November 1987 wurde Maury festgenommen. Er wurde in drei Fällen von vorsätzlichem Mord sowie damit verbundenen Körperverletzungen und einem Raubüberfall angeklagt. Maury bestand auf seine Unschuld und behauptete, er habe lediglich zufällig die Leichen gefunden und gemeldet. Während des Prozesses argumentierte die Verteidigung, Maury habe die Leichen entdeckt und gemeldet, da er sich als pflichtbewusster Bürger sah. Dennoch wurde er von einer Jury für alle Morde schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Maury selbst forderte das Gericht auf, das Todesurteil zu verhängen, wenn sie ihn für schuldig hielten. Trotz zahlreicher Berufungen, in denen er unter anderem behauptete, seine Rechte seien verletzt worden, blieb das Urteil bestehen. Der Oberste Gerichtshof von Kalifornien verwarf seine Berufung, da die Hotline keine staatliche Einrichtung war und daher nicht an den vierten Verfassungszusatz gebunden sei. Maury sitzt bis heute in der Todeszelle im Staatsgefängnis von San Quentin, wo er auf seine Hinrichtung wartet. Auch wenn seit 2006 keine Hinrichtungen mehr in Kalifornien durchgeführt wurden. Maury wird auch mit zwei anderen ungeklärten Mordfällen in Verbindung gebracht: Lora Stewart, deren nackter Leichnam 1983 in Battle Creek gefunden wurde, und Helen Faye Generes, eine Geschäftsfrau, die noch im selben Jahr tot in ihrem Büro aufgefunden wurde. In beiden Fällen war Strangulation die Todesursache, jedoch reichten die Beweise nicht aus, um Maury anzuklagen. Der „Tipster-Mörder“ bleibt ein erschreckendes Beispiel für die Abgründe menschlichen Verhaltens und die Herausforderungen, denen sich das Justizsystem bei der Aufklärung solch komplexer Fälle gegenüberstellt. Fakt ist, dass Robert Edward Maury ein düsteres Mahnmal für die Schrecken ist, die er vor über drei Jahrzehnten entfesselte.
