Einer der brutalsten Amokläufer in der österreichischen Kriminalgeschichte war Ernst Dostal. Dieser ging durch die größte Fahndung in der Zweiten Republik Österreichs in die Geschichtsbücher ein. Am 13. Juni 1973 machten Gendarmen bei einer Brücke über die Südautobahn bei Guntramsdorf eine grausige Entdeckung. Sie fanden einen Explosionskrater mit zahlreichen Knochensplittern und Leichenteilen, die zweifelsohne von einem Menschen stammten, der in die Luft gesprengt worden war. Diese Person entpuppte sich als der 30 Jahre alte Wiener Familienvater Richard Dvorak. Die Ermittlungen der Mordkommission führten schnell zu Dvoraks bestem Freund Ernst Dostal. Beide kannten sich aus dem gemeinsamen Kampfsportverein. Ernst Dostal war Dvoraks letzter Kontakt gewesen, weshalb er am 18. Juni in der Wiener Rennweg-Kaserne verhört wurde. Eine zweite Befragung fand am 22. Juni statt. Keiner ahnte, dass Ernst Dostal bei diesem Verhör völlig durchdrehen und Amok laufen würde. Ernst Dostal zog an jenem Tag gegen 17 Uhr urplötzlich und völlig unerwartet während des Interviews zwei Faustfeuerwaffen, die er unter seinem Sakko versteckt hatte. Dabei verletzte er die anwesenden Kriminalisten Ottokar Pücher, Matthias Horvath und Harald Syrinek schwer. Der erst genannte war seitdem vom Hals abwärts bis zu seinem Tod 2010 gelähmt. Auf seiner Flucht aus dem Verhörraum streckte er den Beamten Leopold Ullrich mit einem Bauchschuss nieder. Danach folgte eine hollywoodreife Flucht. Ernst Dostal sprang aus einem Fenster aus dem 1. Stock der Kaserne, wo er auf einem Auto in der Oberzellergasse landete. Dort stahl er einen Fahrschulwagen, in dem er dem Fahrer eine Waffe vors Gesicht hielt. Mit diesem fuhr er zum Südtiroler Platz, wo er 200 Schuss Munition kaufte und anschließend über die Donaubrücke entkam. Am nächsten Tag erschoss Ernst Dostal das ihm völlig unbekannte Ehepaar Viktor und Johanna Steiger, in deren Wochenendhaus bei Groß-Enzersdorf er Unterschlupf gefunden hatte. Danach flüchtete er in den Wienerwald. Die Fahndung nach Ernst Dostal lief auf Hochtouren. Dann bekamen die Ermittler einen entscheidenden Hinweis von einem Leser der Zeitung Kurier. Dieser war auf ein Inserat aufmerksam geworden. Darin stand folgendes: “ 1919, habe Montag vergeblich beim Turm auf Dich gewartet, werde es Mittwoch und Donnerstag gegen 22 Uhr nochmals probieren. Bin momentan unter 02774/326 zu erreichen.“ Bei der Anzeige handelte es sich um einen versteckten Hinweis von Ernst Dostal an dessen Vater Robert. 1919 war das Geburtstag von Ernst Dostals Vater und die Nummer gehörte zu einem unbewohnten Haus in Altlengbach. Doch als die Polizei dieses stürmte, war Ernst Dostal bereits schon wieder über alle Berge. Aber glücklicherweise bekamen die Ermittler einen heißen Tipp, dass Ernst Dostal sich in einem Haus in der Klara-Höhe aufhielt. Als die Polizei dort eintraf, eröffnete Ernst Dostal sofort das Feuer. Es folgte ein heftiger Schusswechsel. Als Ernst Dostal erkannte, dass es für ihn kein Entkommen gab, schoss er sich in den Kopf. Aber warum hatte Ernst Dostal seinen besten Freund Richard Dvorak ermordet? Es stellte sich bei den weiteren Ermittlungen heraus, dass beide gemeinsam geplant hatten, reiche Industrielle zu entführen und anschließend Lösegeld zu erpressen. Dafür hatten sie extra in einem Bauernhof bei Obergrafendorf ein schalldichtes Verlies eingerichtet. Doch als Dvorak kalte Füße bekam und dem Plan abschwor, bedeutete dies sein Todesurteil. Ernst Dostals Vater Robert, der ebenfalls involviert war, war in die Schweiz und von dort nach Lüneburg geflüchtet, wo er sich in einem Hotelzimmer die Kugel gab. Manche Probleme lösen sich von selbst. Man darf sie nur nicht dabei stören.
