Eine Hinrichtung, die europaweit nicht nur mit Argusaugen beobachtet wurde, sondern für großes Aufsehen sorgte, war die des Grafen Johann Friedrich Struensee auf dem Osterfeld in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen im Jahr 1772. Struensee hatte bis zu seiner Hinrichtung eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Anno 1769 war Struensee aus der Hansestadt Hamburg, wo er über 20 Jahre lang in Altona als Armenarzt tätig war, an den Hof des jungen psychisch kranken dänischen Königs Christian VII. gekommen. Schnell wurde Struensee dessen Leibarzt. Der debile junge König Christian VII. vertraute Struensee blind, der bald auf dessen Anweisung zum Graf geadelt wurde. Struensee nutzte die Gunst des Königs, den er geschickt manipulierte, so dass dieser ihm die Generalvollmacht übertrug. Damit hatte Struensee alle Fäden in der Hand, der nun als Deutscher über Dänemark als alleiniger Regent fast ein Jahr lang herrschte. Als mächtigster Mann im Staat ließ er 1771 seinen guten Freund Enevold Brandt an den Hof kommen, der den König als neuer Theaterdirektor bespaßen sollte, damit sich dieser nicht in Struensees ambitionierte Pläne einmischen konnte. Denn Struensee wollte eine Revolution von oben starten. Dafür erließ er im Zeitraum von 16 Monaten über 1000 Dekrete. Durch die wurde die Folter und die Sklaverei abgeschafft, die Pressefreiheit eingeführt und uneheliche Kinder vor dem Gesetz gleichgestellt, um nur einige zu nennen. Struensee sah sich als großer Revolutionär, der jedoch durch seine Selbstverliebtheit sich viele Feinde am Hofe machte. So weigerte er sich beharrlich die dänische Sprache zu erlernen. Stattdessen redete er in seiner Muttersprache Deutsch. Schon bald setzten Streunsees Gegner dessen Reformen gegen ihn ein. Durch die neue Pressefreiheit wurde seine Affäre mit der Königin Caroline Mathilde publik, mit der er die Tochter Louise Auguste gezeugt hatte. Diese erblickte im Juli 1771 das Licht der Welt, die im Volk nur als „Prinzessin Struensee“ bezeichnet wurde. Auch das Volk wurde immer aufgebrachter gegen Struensee, da dieser das Schnapsbrennen unter Strafe gestellt hatte. Die Ära Struensee endete als König Christian VII. im Januar 1772 in einen Hinterhalt bei einem Maskenball gelockt worden war. Er wurde gezwungen ein Dekret zu unterschreiben, worin er Struensees Festnahme anordnete. Daraufhin wurde Struensee eingekerkert. Im anschließenden Prozess wurde dieser wegen Hochverrat gegen den König, gegen das Königreich, als Ehebrecher und als Usurpator zum Tode verurteilt. Unter den Augen über 30.000 Dänen wurde der 34 Jahre alte Johann Friedrich Struensee gemeinsam mit seinem Bekannten Enevold Brandt am 28. April 1772 in einer Kutsche zur Richtstätte Osterfeld vor den Toren Kopenhagens gefahren. Struensee stieg im blauen Samtanzug mit Pelzrock darüber und schwarzen Hut auf seinem Kopf, der sein blondes Haar bedeckte, gegen 9 Uhr sichtlich gezeichnet durch die zuvor erfahrenen Misshandlungen aus der Kutsche. Mit Mühe schleppte er sich zum Schafott, wo ihn der Henker mit zwei Hieben zunächst die rechte Hand abschlug, bevor er ihn lebendig köpfte. Danach hielt er Struensees Kopf zur Belustigung der Menschenmenge in die Höhe, der zusammen mit dessen Hand auf einen Pfahl gesteckt wurde. Anschließend wurde Struensees Körper gevierteilt und gerädert. Dieselbe Prozedur hatte zuvor schon sein Bekannter Brandt erdulden müssen. Die Leichen wurden im Schinderkarren auf den Galgenberg gebracht. So grausam endete das Leben und die steile Karriere des Arztes und Aufklärers Struensee.
