Wir schreiben das Jahr 1918, als der Erste Weltkrieg zu Ende war. Überall in Österreich gab es Versorgungsengpässe, weshalb es zur Bildung von Schwarzmärkten kam. Diese waren sozusagen die Supermärkte der Nachkriegszeit, in denen man alles bekam, was es zu handeln gab. In jener Zeit betrieb Karl Weber eine Gastwirtschaft am Althanplatz im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund, wo ihn am 15. Dezember ein Mann besuchte, der ihm ein lukratives Geschäft vorschlug. Er bot ihm Wein von einem Weinhändler aus dem Weinviertel zu einem unglaublich günstigen Preis an. Gemeinsam sollten sie sich dort mit ihm treffen. Der Gastwirt Karl Weber nahm zum Treffpunkt an der Bahnstation Glaubendorf-Wetzdorf seinen guten Freund Erhard Schmucker, ebenfalls ein Gastwirt, mit. Dort angekommen teilte ihnen der Mittelsmann mit, dass sich der Weinhändler in Radelsbrunn aufhalten würde, weshalb sie sich auf den Weg dorthin machten. Doch dort kamen die beiden Männer nie an, denn sie wurden von dem Mittelsmann erschossen und ausgeraubt. Sie waren die Opfer eines Betrügers geworden, der sie eiskalt in eine Falle gelockt hatte. Die Fahndung nachdem gemeingefährlichen Mann in höchstem Grade lief auf Hochtouren. Schnell geriet der mittellose, hoch verschuldete und amtsbekannte Schleichhändler Johann Hahn ins Visier des Wiener Sicherheitsbüros. Diesen hatte sowohl Webers Sohn als auch die Angestellten des Gasthauses als jenen Mann erkannt, der mit Karl Weber verhandelt hatte. Johann Hahn hatte in der Armee gedient. Anno 1917 lernte er Rosa Feigl in Wimpassing kennen und lieben, die er noch im selben Jahr zu seiner Frau nahm. Nach Kriegsende versuchte sich Johann mit Gelegenheitsjobs und Schleichhandel durchs Leben zu schlagen. Er hatte vor eine Landwirtschaft im Mühlviertel in Oberösterreich zu erwerben, die er zusammen mit seiner Ehefrau Rosa und seiner Schwiegermutter bewirtschaften wollte. Doch der Kaufpreis erwies sich als zu hoch, weshalb sie nach Wien zurückkehren mussten. Die Möbel ließ er in Nussdorf zwischenlagern. Heimlich verkaufte er jedoch einen Großteil davon, obwohl die Möbel seiner Schwiegermutter gehörten. Von diesem Geld mietete er eine Wohnung in Wien-Meidling, in der er mit Rosa und dem eineinhalb Jahre alten Sohn lebte, bis sie aufgrund von Mietrückständen, ausziehen mussten. Der kleinen Familie blieb nichts anderes übrig, als ins Obdachlosenasyl zu ziehen. Dort erblickte am 14. Oktober 1919 die gemeinsame Tochter das Licht der Welt. Ihren Sohn gaben sie in Fürsorge. Johann machte sich in dieser schweren Zeit immer wieder aus dem Staub. Er ließ nicht nur seine Familie im Stich, sondern veruntreute auch das Geld aus der Versicherungsleistung, die seiner Schwiegermutter gehörte. In einem Brief im November 1919 teilte Johann seiner Ehefrau mit, dass er endlich eine gute Arbeit in der Schweiz gefunden hatte und zu Weihnachten zu ihr zurückkehren wollte. Doch der Poststempel stammte aus Gänserndorf. Aber Rosa glaubte an Johanns gute Absichten, der am 17. Dezember 1919 seine Schwiegermutter in der Fasangasse in Wien besuchte, wo in der Zwischenzeit auch Rosa lebte. Als Entschädigung für seine Veruntreuung ließ er seiner Schwiegermutter 10.000 Kronen und Rosa 9.000 Kronen zukommen. Angeblich vermittelte Johann nun Geschäfte, der noch am selben Tag nach Kärnten reisen musste. Seine Ehefrau Rosa sollte bald nachkommen. Am 19. Dezember fuhr diese mit der Südbahn nach Judenburg, wo sie Johann traf, der mit ihr im Hotel Post unter dem Namen Johann Halm und Gemahlin eincheckte. Da Rosa ihrer Mutter von dort aus einen Brief geschickt hatte, konnte die Polizei anhand der Absenderadresse den gesuchten Johann Hahn ausfindig machen. Dieser wurde zusammen mit Rosa am 7. Januar 1920 im Hotel Post verhaftet. Noch auf der Fahrt nach Wien unternahm Johann einen Fluchtversuch, der durch einen Warnschuss der Polizei schnell beendet wurde. Johann Hahn wurde ins Polizeigefangenenhaus nach Wien gebracht und am 13. Januar an das Landesgericht Wien überstellt. Seine Ehefrau Rosa kam bereits nach 5 Tagen wieder auf freien Fuß. Im Polizeiverhör gestand Johann Hahn den Raubmord an den beiden Gastwirten, die er aus Notwehr erschossen hatte. Die Pistole hatte er nur dabei, um diese gegen Kartoffeln zu tauschen. Außerdem wurden ihm mehrere Betrugsfälle zur Last gelegt. So hatte Johann einem Holzhändler ein Waldstück für einen besonders niedrigen Preis offeriert und eine Anzahlung dafür kassiert. Doch das versprochene Waldstück blieb aus. Einen zweiten Holzhändler versuchte Johann mit derselben Masche aufs Kreuz zu legen. Doch diesen ereilte nicht dasselbe Schicksal, da dieser keine Anzahlung machen wollte. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass Johann weitere Überfälle geplant hatte. Auch dem Gastwirt Alois Kölbl aus Wien-Währing hatte Johann am 2. Dezember 1919 das Angebot von einem Weinhändler in Radelsbrunn, günstig Wein kaufen zu können, unterbreitet, der dringend Geld für die Hochzeit seiner Tochter benötigte. Zum Treffen am 9. Dezember in Ziersdorf nahm Kölbl einen befreundeten Gastwirt mit. Da Hahn zu spät kam, erkundigte sich Kölbl nachdem Weinhändler, den aber niemand kannte. Johann erklärte dies damit, dass der Weinhändler aus Ebersbrunn stamme. Doch auf dem Weg dorthin machte sich Hahn plötzlich aus dem Staub. Als Kölbl am nächsten Tag nach Hause kam, teilte ihm seine Ehefrau mit, dass Johann Geld von ihr für den Weinkauf verlangte hatte. Da angeblich Kölbl nicht genug Geld für den Weinkauf dabei gehabt hätte. Da ihr dies Spanisch vorkam, gab sie diesem statt des Geldes zwei Rucksäcke. Kölbl zeigte Johann bei der Polizei an. Er wollte zudem den Betrug in der Zeitung veröffentlichen, um andere Gastwirte zu waren. Doch eine Veröffentlichung erfolgte nicht. Am 10. Dezember 1919 versuchte Hahn unter falschen Namen den Gastwirt Siegel in der Liechtensteinstraße davon zu überzeugen, dass er bei seinem Weinhändler, der wegen der Hochzeit seiner Tochter dringend Geld benötigte, günstigen Wein zu kaufen. Siegl sollte 50.000 Kronen mitbringen. Doch Siegl lehnte dankend ab. Danach versprach Johann einem Holzhändler einen Wald in Göpfritz. Dafür sollte er mit dem Abendzug dorthin fahren und 50.000 Kronen Anzahlung leisten. Als dieser in Göpfritz ankam, fehlte jede Spur von Johann, da der Holzhändler ihm mitgeteilt hatte, dass er den Kaufpreis erst in Wien bezahlen wolle. Am 14. Oktober 1920 wurde Johann Hahn wegen zweifachen meuchlerischen Raubmordes, mehreren Betrugsdelikten und Übertretung des Waffenpatents zu lebenslangen schweren Kerker verurteilt. Seine Ehefrau Rosa fiel während der Urteilsverkündung in Ohnmacht und musste aus dem Gerichtssaal getragen werden. Eine Nichtigkeitsbeschwerde verwarf der Kassationshof Ende Januar 1921. Somit fristete Johann Hahn sein Dasein bis zu seinem Tod im Kerker.
